Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

109 
IV. u. V. Die beiden letzten Arbeiterkategorien, die Monats- und 
die Jahresarbeiter, werden seltener und nicht so sehr für Feldarbeiten, 
als für verschiedene Dienste auf dem Gutshofe gedungen. Diese Kate 
gorien — besonders die Jahresarbeiter -— bilden das Gesinde. Sie werden 
gewöhnlich im Herbst gedungen, da nach dem Schluss der Feldarbeiten 
der Landarbeiter wenig Aussicht auf einen anderen Verdienst auf dem 
platten Lande hat. Im Frühjahr und im Sommer verdingen sich die 
Arbeiter auf einen Monat sehr ungern, da sie als Taglöhner viel mehr 
verdienen können. Zur Zeit des besonderen Bedarfes an Arbeitskräften 
wird das Hausgesinde auch für Feldarbeiten verwendet. 
Auf Monate und auf ein Jahr verdingen sich entweder Wander 
arbeiter, wenn sie im Sommer wenig verdient haben, oder einheimische 
Arbeiter, gewöhnlich die «Zehenter>; in den Jahren der Missernte oder 
anderer unglücklicher Zufälle in ihrer Wirtschaft tun es auch die grund 
besitzenden Bauern. 
Die Zehenter werden gewöhnlich mit einer Hütte unfeinem kleinen 
Landstück versehen; manchmal werden ihnen Naturalien geliefert, manch 
mal ausser diesen auch eine geringe Geldsumme. Dafür verpflichten sich 
die Zehenter zu einer Reihe von Arbeitsleistungen in der Gutswirtschaft. 
Werden die Hütten von den Zehentern selbst gebaut, so geschieht es 
unter der Bedingung, dass das Holz vom Grundherrn geliefert, dagegen 
die Arbeit und das Steinebrechen von den Zehentern geleistet werden, 
wofür der Zehenter die Hütte unentgeltlich benutzt. Unter Umständen, 
wenn der Grundherr das Landstück und die Hütte anderweitig braucht 
oder der Grundbesitz in andere Hände übergeht, werden die Zehenter, 
manchmal auch ganze Dörfer derselben, von ihren Ansiedelungen ver 
trieben. 1 ) 
Ausser der Einteilung der Arbeiterkategorien nach den verschie 
denen Vertragsarten werden die Taglöhner, Akkord- und Fristarbeiter 
auch in verschiedene Gruppen eingeteilt nach der Körperkraft und nach 
dem Geschlecht. Diese bilden: 1. Vollarbeiter — so wird der in 
voller Kraft stehende und zu allen Feldarbeiten fähige Mann genannt; 
2. Dreiviertelarbeiter oder nach dem Ausdruck der Arbeiter selbst 
— Eindrittelarbeiter. Ein solcher ist ein etwas weniger kräftiger 
Vollarbeiter. Während der Vollarbeiter sich für alle Feldarbeiten ver 
dingt, kann der «Eindrittelarbeiter» besonders beim Mähen nicht so viel 
leisten. 3. Halbarbeiter ■—• d. h. ein Mann, unter 23 und über 50 Jahre 
alt. Diese Kategorie von Arbeitern wird meistens für die nebensäch- 
9 Siehe Materialien zum Bodenkataster im Oouv. Cherson, Bd. I, S. 50.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.