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Die Deutschen in Afrika.
Nachdem der dunkle Erdtheil, außer in seinem nördlichsten
und südlichsten Theile, von den europäischen Nationen lange
Zeit über Gebühr vernachlässigt und fast nur des Sklavenhan
dels wegen aufgesucht worden war, streben jetzt Deutsche, Eng
länder, Belgier, Franzosen, Italiener in regem Wettbewerb ein
ander zuvorzukommen in der Gewinnnng der afrikanischen
Märkte für ihre heimische Industrie. Die Stellung der Deut
schen in diesem Kampfe ist keine ungünstige. Schon weht die
schwarz-weiß-rothe Flagge über ausgedehnten Gebieten; vier feste
Stützpunkte sind bereits gewonnen, von denen die Erschließung
des noch immer geheimuißvollen Innern Afrikas für den deut
schen Handel, für die deutsche Arbeit, ihren Ausgang nehmen
könnte: Deutsch'Ostafrika nebst Zanzibar, Kamerun,
Togo, Deutsch-Südwestafrika. Deutsche Ackerbaukolo-
nien von nennenswerther Bedeutung befinden sich leider noch
in keinem der Schutzgebiete, sondern lediglich in der Kapkolonie, in
Natal und in den Boerenrepubliken; unbedeutende Niederlassungen
von Personen deutscher Herkunft sind auch in Algerien vorhanden.
Nordafrika. In Marokko, insbesondere an der West
küste dieses Reiches, gewinnt der deutsche Handel von Tag zu
Tag an Bedeutung. Bon Tanger bis Mogador findet man an
allen Plätzen deutsche Handelsagenten, in der Stadt Casablanca
soll der deutsche Kaufmann den französischen fast ganz verdrängt
haben. Der politische Einfluß Deutschlands in Marokko ist ein
bedeutender, trotz der Eifersucht der konkurrirenden Mächte, der
Engländer, Franzosen, Spanier und Italiener.