Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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liehe Denken seine Früchte trug und zur bessern Untersuchung 
der Thatsachen des staatlichen Daseins entschieden mitwirktc. 
Auch haben wir auf diese Beziehung nur darum etwas ein 
gehender aufmerksam gemacht, weil sie uns immer wieder von 
Neuem begegnen wird und in der ganzen Geschichte der Wirth- 
schaftslehre einen erheblichen Antrieb bildet. 
Als das zweite wichtigere Buch Pettys sind seine Essays 
im Gebiet der politischen Arithmetik (Several essays etc., zuerst 
1682, posthum vermehrt 1691) zu erwähnen, und zwar um so 
mehr, als ein Theil schon bei seinen Eebzeiten erschienen war. 
Für den ökonomischen Gesichtspunkt enthalten sie überdies 
noch mehr Andeutungen, als die Darstellung des Zustandes von 
Irland. Jedoch darf der Ausdruck politische Arithmetik nicht 
täuschen. In den nachgelassenen Abhandlungen wird er durch 
die Hinweisung auf den Bodenwerth, die Bevölkerung, die Ge 
bäude, die Manufacturen u. s. w. schon in der Ucherschrift 
ciuigermaassen erläutert, und man würde irren, wenn man die 
Bezeichnung im heutigen Sinne nehmen wollte, in welchem sie 
bekanntlich die Darstellung der Rechnungsarten, die bei öffent 
lichen Anleihen und ähnlichen puhlicistischen Verhältnissen 
Vorkommen, zu vertreten pflegt. Um die Hülfsmittel der Rech 
nung handelt es sich nun aber bei Petty am allerwenigsten, son 
dern es ist der statistische Stoff selbst, der in sehr einfachen 
Operationen bearbeitet wird. Ein gelungenes Beispiel dieser 
Verfahrungsart (in den erwähnten Essays, 4. Ausg. 1755, S. 123) 
ist die ganz naive Gapitalisirung der Bevölkerung. Da man 
heute in den Ländern, die der Sklaverei ferner stehen, an eine 
solche Veranschlagung nicht zu denken püegt, und da dieselbe 
für jede Vergleichung mit den gesammten Capitalstücken des 
Landes volleswirthschaftlich unumgänglich ist, so mag die nähere 
Erinnerung an Pettys Wendung am Orte sein. Im Hinblick 
auf die Veranschlagung der Verluste durch Seuchen und Kriege 
geht er, um den Werth des Bevölkerungskopfes zu berechnen, 
von den Ausgaben pro Kopf aus, ermittelt so eine Jahres 
summe für die Gesammtheit, zieht von derselben alle Renten 
und Gewinne ab, capitalisirt alsdann durch Verzwanzigfachung 
und dividirt durch die Bevölkerungszahl. Eine Prüfung dieser 
Procedur hat hier für uns keinen Zweck; wohl aber ist die 
Erwähnung nicht überflüssig, dass sich Petty für seine Ver 
zwanzigfachung darauf beruft, dass ebenso wie für Grundstücke
	        
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