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a) Cisleithanien.
Von unseren Betrachtungen sind selbstverständlich die Pro
vinzen mit reindeutscher Bevölkerung ausgeschlossen, da diese
nicht in nationaler, sondern nur in staatlicher Beziehung zum
Auslande gehören. Als solche Provinzen sind anzusehen:
Beide Oesterreich. Salzburg und die gefürstete Grafschaft
Vorarlberg. Nach der letzten Volkszählung, vom 31. Dezember
1880, befanden sich unter den 21.794,231 Bewohnern Cislei-
t Hani ens 8,008,864 Deutsche, 36,75 Prozent der Gesammtbe-
völkerung. Die übrigen Bewohner des Landes sind zum weit
aus größten Theile Slaven (Tschechen, Slowenen, Serben-
Kroaten, Polen, Ruthencn), zum kleinen Theile Romanen
(Italiener, Friauler, Lodiner, Walachen).
Böhmen. Nach der letzten Zählung wohnen in Böhmen
2,054,174 Deutsche und 3,470,252 Tschechen; erstere machen
also ungefähr 37,2 Prozent der Gcsammtbevölkerung aus. Die
Deutschen wohnen in geschlossenen Massen in einem Gürtel an
der baierischen, sächsischen und schlesischen Grenze
und im Innern verstreut in den Städten, namentlich in Prag
und Pilsen. Nennenswerthe deutsche Sprachinseln im Innern
des Landes hefinden sich außerdem um Dentschbrod, Bud-
weis und Neuhaus. Leider ist das Tschechenthum überall
in siegreichem Vorrücken gegen das Deutschthum begriffen. Nach
Professor Dr. Rainer sind allein seit dem Jahre 1850 28
rein deutsche und 75 überwiegend deutsche Ortschaften vollständig
tschechisirt; besonders große Verluste erlitten die Deutschen in
den Bezirken Budweis, Prachatitz, Pilsen, Bischof,
teint & und Deutschbrod. Die noch immer fortdauernden
erbitterten Kümpfe zwischen Deutschen und Tschechen sind all
bekannt; es würde zu weit führen, hier näher auf dieselbeu ein-