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3) Die Deutschen in Rumänien.
Von den deutschen Kolonien Rumäniens ist vor allen der
jenigen in Bukarest Erwähnung zu thun, welche — die
Deutsch - Oesterreicher selbstverständlich einbegriffen — gegen
20,000 Seelen zählt. Die Bukarester deutsche Gemeinde besitzt
eine Elementarschule, einen Fröbel'schen Kindergarten, eine gute
Realschule. In dem gewerblichen und industriellen Leben der
rumänischen Hauptstadt nehmen die Deutschen einen sehr her
vorragenden, wenn nicht den ersten Platz ein. Auch in anderen
Städten Rumäniens, namentlich in der Walachei, leben
zahlreiche Deutsche, welche überall ihre heimische Sprache und
Sitte treu zu bewahren bedacht sind.
Eigentliche deutsche Ackerbaukolonien sind wohl nur in der
Dobrudscha vorhanden, wo sie schon unter der türkischen
Herrschaft existirten, doch scheinen sie gegenwärtig leider in
Auflösung begriffen zu sein. Von den deutschen Kolonisier
dörfern in der Dobrudscha seien genannt: Atmadscha, Tschucko-
rowa, Tarrewerde, Koscholack und Anadolkoi; die drei zuletzt ge
nannten liegen in der Nähe von Küste nd sche, wo sich eben
falls einige deutsche Familien niedergelassen haben. Unerträg
liche Belästigungen seitens der rumänischen Behörden verán-
laßten eine große Zahl dieser deutschen Kolonisten sich zur Aus-
Wanderung zu entschließen, und einige Familien haben diesen
Entschluß auch bereits zur Ausführung gebracht. Das Beneh
men der Rumänen diesen Kolonisten gegenüber muß Befremden
erregen, da sie doch vor allen Dingen daraus bedacht sein
sollten, die noch unbenutzten reichen Bodenschätze ihres frucht
baren Landes zu heben und zu verwerthen und demnach alle