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Die eigenartigen, nur in diesem Kanton gesprochenen ro
manischen Mundarten sind stark mit deutschen Worten gemischt
und werden von der deutschen Sprache immer weiter zurückge
drängt. Die gebildeten „Romanschcn" sprechen nach der „Deut
schen Post" (1887 Heft 2) ein sehr schönes Deutschs was sich
von den eigentlich deutschen Schweizern leider nicht sagen läßt.
Rach der Zählung von 1880 betrug die deutsche Bevölke-
rung der Schweiz 2,030,702, die französische 608,000, die italic-
Nische 161,023 und die romanische 38,705 Seelen; über 70
Prozent der Gesammtbevölkerung sind also deutsch. Bon sammt-
lichen in der Schweiz gesprochenen Sprachen ist nur die deutsche
im Fortschreiten begriffen.
Die gesonderte polische Entwickelung des Schweizervolkes
hat das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Deutschen
im Reiche und Oesterreich vielfach verwischt, das deutsche
Rationalbewußtsein fast vollständig erstickt. Ein großer, wenn
nicht der größte Theil der deutschen Schweizer scheint eher von
allen anderen als von freundschaftlichen Gefühlen beseelt auf
den mächtigen deutschen Rachbarn im Norden hinzublicken.
Trotzalledem muß anerkannt werden, daß sie stets mit großer
Zähigkeit an ihrer deutschen Muttersprache festgehalten haben
und noch festhalten.
Jeder Deutsche aus dem Reiche pflegt in der deutschen
Schweiz mit einer gewissen feindseligen Geringschätzung „Schwab"
genannt zu werden. Die guten Leute vergessen dabei, daß in
ihren eigenen Adern ein gut Theil schwäbischen Blutes fließt.
Diejenigen unter ihnen allerdings, welche dem Franzosenthum
anhängen, und leider scheint deren Zahl, wenn sie auch im Ab
nehmen begriffen sein dürfte, keine geringe zu sein, sind entartete
verkommene Söhne des edlen, ruhmreichen Schwabenstammes.