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länder, die fast sämmtlich Deutsche sind, und stehen die übn-
gen 65 Prozent im Begriff, diesem Beispiele zu folgen. Na-
türlicher Weise sind die englischen „clerks" nicht besonders gut
zu sprechen auf ihre deutschen Kollegen, welche ihrer bessern
Sprachkenntnisse wegen ihnen vorgezogen werden. Tie Pflege
der Musik ist fast gänzlich den Deutschen überlassen: auch die
Musiklehrer sind zum überwiegenden Theile unsere Landsleute.
Keine besondere Ehre machen indeß der deutschen Musik die so-
genannten „German bands", deren Erscheinen nach dem Volks-
munde Regen erwarten läßt; es sind Banden vagabuudirender
Spielleute, welche die ganze britische Insel durchpilgern, mit
Vorliebe sich jedoch in der Hauptstadt aufhalten. Auch in der
englischen Malerei macht sich deutscher Einfluß in hervorragen-
dem Maße geltend, wie überhaupt in vielen Dingen, zu deren
Pflege künstlerischer Geschmack und Schönheitssinn erforderlich
sind, deutsche Hülfe in Anspruch genommen wird. So werden
die bei Hoffestlichkeiten, insbesondere bei den sogenannten „Dra
wing rooms", von den vornehmen englischen Damen getragenen
prachtvollen Blumensträuße ausschließlich von deutschen Händen
gewunden.
Zur Ehre gereichen den Deutschen Londons die wählt hä-
ti gen Anstalten, in welchen hülfsbedürftige und kranke
Landsleute flute Aufnahme finden; besonders erwähnenswerth
ist unter diesen das „Deutsche Hospital" in Dalston.
Deutsche Kirchen giebt es zehn, neun protestantische und eine
katholische; außerdem noch einige deutsche Methodisten-Kapcllen.
Zwei oder drei deutsche Zeitungen erscheinen in London; sie
sind jedoch sämmtlich ohne Belang. Als die bedeutendste gilt die von
Kinkel gegründete „LondonerZcitungHermann", welche einen ver
alteten, nunmehr fast kindisch zu nennenden Radikalismus vertritt.