Full text : Schutz dem Arbeiter!

123

ventionen  und  Cartelle  auf  eine  Reduction  der  Production
Hebung  der  Preise  hinzuwirken.
Ein  interessantes  Beispiel,  wie  der  Arbeiterschutz  auch  im  Interesse  der  Arbeitgeber
"egt,  bietet  die  Schweiz.  In  keinem  Industriezweige  hat  dort  der  Maximaler ­
  beitst  a  g  heftigern  Widerstand  gefunden,  in  feinem  wurde  derselbe  mehr  durch  Ueberäewilligungen
  und  Uebertretung  durchlöchert,  wie  in  der  Stickerei.  Dadurch  wurde
Natürlich  der  Ueb  erprod  uction  Vorschub  geleistet.  Die  gewissenlose  Ausbeutungssucht
^sp.  die  Privilegirung  des  einen  Fabricanten  ging  immer  auf  Kosten  der  andern,
^irsc  Einsicht  hat  sich  denn  auch  mit  solchem  Nachdruck  Bahn  gebrochen,  daß  im  Sommer
^85  ein  „Centralverband  der  Stickerei-Industrie  der  Ostschweiz  und  des
Vorarlberg"  sich  gebildet  hat,  dem  98  bis  99  Procent  der  Geschäftshäuser  (20,000  von
^1,000  Stickmaschinen)  sich  angeschlossen  haben,  mit  der  Verpflichtung  strengster
^nnehaltung  der  elfstündigen  Arbeitszeit.  Die  einzelnen  Arbeitsstunden  werden
ñanz  genau  festgesetzt,  die  eventuellen  Pausen  Morgens  und  Nachmittags  in  die  elfstündige
Arbeitszeit  eingerechnet;  »denn  hätte  man  eine  halbstündige  Vor-  und  Nachmittagspause
vorgesehen,  so  wäre  an  vielen  Orten  factisch  eine  zwölsstündige  Arbeitszeit  entstanden«.
Publicationen  des  Verbandes  betonen  ausdrücklich,  daß  die  Beschränkung  der  Arbeits-^uer
  nicht  nur  als  Maßregel  ökonomischer  Natur  dienen  solle,  »sondern  als  Wohlthat
ş>>r  die  Sticker  und  Fädlcr  und  namentlich  auch  für  die  vielen  minderjährigen  Kinder«.
Sonntagsarbcit  ist  selbstverständlich  untersagt.  Besondere  Controleure,  „die  oft  in
^ocht  und  Sturm  auch  in  den  abgelegensten  Bergrevieren  ihre  Runde  machen",  sind  an-Ģllt.
  Auch  können  Strafen  von  2—100  Frs.,  im  Wiederholungsfälle  bis  300  Frs.
"^gesprochen  werden.  Ein  Minimal-Arbeitslohn  ist  festgesetzt.  Fachgerichte
à  schnellen  und  billigen  Erledigung  von  Streitigkeiten  sind  organisirt.  Eine  Un  terşilltzu
  ngskasse  für  Arbeitslose  ist  in  Aussicht  genommen.  —  „Der  Verband  hat,"
^  fügt  Dr.  Schuler  (Berichte  über  die  Fabrik-Jnspection  in  der  Schweiz  1884,85.  Aarau,
auerländer,  1886)  bei,  „bereits  ganz  bedeutende  Erfolge  erzielt,  dem  Sinken  der
ohne  Einhalt  gethan,  die  Production  auf  ein  geringeres  Maß  zurückgeführt,  die
.  orhältnisse  zwischen  Arbeitgeber  und  Arbeiter  gebessert  und  zahllose  Stimmen,  die  früher
ittne  Ziele  als  unerreichbar  hinstellten,  fangen  an  zuzugeben,  daß  der  Verband  ein  Vor-""ser
  ähnlicher  Organisationen  auch  aus  andern  Gebieten  sein  dürfte."
Die  Schifflisticker  hatten  sich  schon  1884  zu  einer  Vereinigung  zusammenschlössen. ­
  Diese  hat  zwar  keine  Festsetzung  der  Arbeitszeit  getrosten,  Petition  irte
"ļ'or  bei  ben  E  auto  ns  -Regier  un  gen  um  Versagung  aller  llebcrzeit-Beìļligungen
  an  die  Fabrikschifflisticker.  Die  cantonalen  Regierungen  scheinen  ihnen
? Uc í>  durchweg  willfahrt  zu  haben.  „Man  hat  (übrigens)  an  eine  weitere  Reduction
br  Arbeitszeit  gedacht,  zum  Theil  deshalb,  weil  die  bisherige  nicht  in  dem  erwarteten
^"ße  eine  Verminderung  der  Production  bewirkte."  (L.  c.  S.  35.)
den  Berichten  der  Fabrik-Jnspectoren  pro  1886/87  ist  der  Verband  der  Schiffchenwieder
  eingegangen.  „Dagegen  ist  der  »Central  verband  der  St  ick  er  ei-„
  -.  e«  recht  lebenskräftig  geblieben.  Er  gedieh  trotz  manchfacher  Anfechtungen  und
ofahren.  Nicht  nur  die  Vorarlberger  Sticker  schlossen  sich  ihm  an,  sondern  auch  in
'ochsen  entschloß  man  sich  nach  längerm  Bedenken,  eine  Verbindung  ähnlicher  Art  zu
binden  und  mit  den  Schweizern  Hand  in  Hand  zu  gehen.  Der  Ueberproduction
ļ  Ur ^e  durch  hohe  Besteuerung  neu  aufzustellender  und  dem  Verband  bei-Jp.tender
  Maschinen,  sowie  durch  strenges  Festhalten  an  der,  mit  Einschluß
¡ŗ  şâļliger  kleinerer  Eßpausen,  elfstündigen  Arbeitszeit  und  Verzicht  auf  jede  in
^lcnd  welcher  Art  motivirte  Verlängerung  derselben  einigermaßen  vorzubeugen  gesucht,
"ì'ch  Einführung  und  Organisation  eines  wirksamen  Musterschutzes  trachtete  man  die

Nach
Stickereien
^Üdusti-i
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.