technische Entwickelung der Stickerei zu fördern. Sehr vieles wurde zur Beseitigung
von Uebelständcn im Verkehr zwischen Arbeitgeber und -nehmer gethan-
So wurde die Berechnungsweise der Stiche, d. h. die Grundlage für die Lohnbercchnung
einläßlich geordnet, das Verhältniß der den Verkehr zwischen den: Auftraggeber und dem
Sticker vermittelnden »Fergger« geregelt, eine Verkaufsstelle für Stickereien geschaffen, deren
Annahme vom Arbeitgeber wegen anhaftender Mängel verweigert worden, der Minimal-
lohn erhöht u. a. m. Die Mustcrklasfification, d. h. die richtige Abstufung
der Löhne nach der verschieden raschen und leichten, mit mehr oder minder Mühe »" l
Kosten verbundenen Ausführbarkeit der Muster, bildet seit Jahr und Tag ein stetes Trac-
tandum des Vereins und zugleich ben ärgsten Stein des Anstoßes im Zusammengehen der
Schweizer mit den Sachsen, die eher geneigt sind, sich einschüchtern zu lassen und sich Z"
Lohnreductionen zu bequemen."
„Neben diesem »Centralverband« wurde ein »Verband der Fabriksticker«
d. h. der eigentlichen Lohnarbeiter in den Fabriken und nicht nur der Unternehmer ge
gründet. Derselbe dürfte gewissermaßen eine Ergänzung zu denr andern Verbände bilden,
zu dem er auch meines Wissens in einem ganz freundlichen Verhältnisse steht. Er hat
bereits ein Arbeitsnachweisbureau eingerichtet und gewerbliche Schiedsgerichte orgamftrb
deren Wirksamkeit allerdings eine ganz problematische ist, da sie völlig davon abhängt, m'
der Arbeitgeber sic anerkennen will oder nicht. (Ueber das Verhältniß dieser »Schieds-
geri^tc« gu beut bereits 1885 in'§ Men Berufenen »Mocri^te« beS »GenW»
Verbandes« berichtet Dr. Schuler nicht näher.) Als fernere Programmpunkte des Vereins
ftnb %erüor#cbcn : Megelung be§ MrnnßSwcMS' ber Wenntn# ber GWCt,
Einführung eines Minimallohnes, sowie allfälliger Vorbeugungsmittel gegen Bedrückung'
Ordnung des Krankenkassenwesens und endlich Verbiirdung mit den Stickerei-Arbcüeu
anderer Länder. Die Lebens- und Leistungsfähigkeit dieses Verbandes wird sich, da er M
noch in den Anfängen befindet, erst zu bewähren haben." (Berichte der Fabrik-Jnspectore'
pro 1886/87. S. 4.) . . s
„Mit der Stickerei litt begreiflicher Weise auch die Bleicherei, Sengerei >"
Aus'r listerei. Auch diese Industriellen thaten sich zur Festhaltung eines gewissen Loh"'
minimunis zusammen" '). (1. c. S. 5.)
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i) In den „Berichten der Cantonsregierungen über die Ausführung d«
SBunbeSßeieSeg betreffenb bie Arbeit in ßabrtfen" pro 1887/88 (%aiau, 1889) wirb H
St. Gallen constatiti: „Einzig der Wohlthat und der Initiative des Central-Ver
bnnbeë ber Gtiderei^nbuftrie ber ""b ^ %orarlberge§ ist bie @ircttu"W
ber eiderei^nbuftrie üor ßan3Ii(^ent Berseli gtt bansen unb e§ iß nnr 31t ^ffen,
diese so segensreiche Institution fortbestehe und nicht etwa durch die in neuer
Zeit aufgetauchteii Sonderbestrebungen gefährdet und untergraben werde." Ebenso wM
für St Gallen „mechanischen Stickereien" immer noch „grundsätzlich keine Uebc
arbeitszeit bewilligt, während den wenigen Gesuchen von Schifflistickmaschrne"
Besitzern, da sich d eren Verba nd inzwischen aufgelöst hat, jeweilen entsprochen wurde-
(S. 84 u. 96.) .«%,
Wie die Kürzung der Arbeitszeit in den Stickereien auf die Gesundhert wirr
darüber konnte Dr. Schuler dem VI. „Internationalen Congres; für Hygiene und De'"
grafie" in Bien 1887 (6. 35) berieten:
„Als ben Stickern der Schweiz und des Vorarlbergs, welche durch unsinnige &
currenz zu ganz exorbitanter Arbeitsdauer verleitet worden waren, nachgewiesen wurde,
bei ihnen die Zahl der zum Militärdienst Unfähigen sich zu der entsprechenden ö
bei der übrigen Bevölkerung verhalte wie 32,5:25,i; daß ferner die Schwindsu ?
todesfälle bei den Stickern 375 auf lOOOOO berechnet ausmachten, bei der übrlg