Full text: Schutz dem Arbeiter!

131 
"'it ber von 1882. In Preußen wurden in größern gewerblichen Be 
lieben (mit mehr als fünf Arbeitern) 1875 erst 253 387 Arbeiterinnen 
beschäftigt; 1882 war diese Zahl schon aus 402 568 (um 31,s °/o) ge 
legen. (Schmoller's Jahrbuch, Bd. IX, S. 88.) Um so mehr ist 
es aber Pflicht, dieser Entwickelung durch schützende Maßnahmen Schranken 
setzen — zum Schutze der Gesundheit, aber auch zur Ermöglichung 
ber Bethätigung in der Familien- und Hauswirthschaft, der Theil 
nahme an Haushaltnngs-Cursen re. (s. oben S. 83). 
Die Begrenzung der Arbeitszeit für Arbeiterinnen ist am dringlichsten. 
Daß dieselbe aber auch für erwachsene männliche Arbeiter Noth thut, 
bat die Bergarbeiter-Bewegung des Jahres 1889 bewiesen. Aus 
ber „Denkschrift über die Untersuchung der Arbeiter- und 
Betriebs-Verhältnisse in den Steinkohlen-Bezirken, bear 
beitet im Aufträge der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern" 
(Berlin, Verlag des „Deutschen Reichs- und preußischen Staats-Anzeigers, 
1890) ergibt sich (S. 20—26) klar, daß die Schichtdauer sowohl in 
Dberschlesien (12 und mehr Stunden) wie auch in den Saar- 
ñrub en (in der Regel 10, aber auch 11 bis 12 Stunden) zu hoch be 
sessen war, und sowohl dort wie namentlich aber im Ruhrgebiet 
vielfach eine mißbräuchliche Ausnutzung von Ue bersch ich ten zu ver 
zeichnen war. Jedenfalls hätte es nicht erst der Aufregungen und 
Erschütterungen eines umfassenden Strikes bedürfen sollen, um die Frage 
ber Kürzung resp. der gesetzgeberischen Regelung der Arbeitszeit und der 
Begrenzung der zulässigen Ueberschichten in Fluß zu bringen. 
Die Bergwerke gehören in erster Linie zu den Betrieben, für welche 
Falle genereller Regelung, wie es der Antrag Dr. Lieber-Hitze 
bezweckte, der Bundesrath eine kürzere Bemessung zu treffen haben 
^ürde. Die Beschäftigung unter Tage, die unregelmäßige Lage der 
Schichten, die Schwere der Arbeit, die Gefahren für Gesundheit und 
Ļeben (durch böse Wetter und Pulverdampf verschlechterte Lust, Zugluft, 
^àsse, Hitze rc.), der vielfach weite Weg re. machen hier eine besondere 
Regelung nothwendig, wie denn auch gerade der Bergbau sich von 
Ehester Zeit her einer besondern schützenden Ordnung erfreut hat. 
Ņlit dem Verbot der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter (bis 
^0 Jahre) unter Tage ist ja auch die Berechtigung besonderer Maß- 
^hinen anerkannt *). Es ist auch gewiß nicht zufällig, wenn in Ober- 
ìchlesien, wo die längste Arbeitsschicht üblich ist, die Knappschafts- 
ş^tistik die traurigsten Zahlen aufweist. 
^ ') Ueber die Gefahren für Leben und Gesundheit der Bergleute speciell tut Kohlen- 
e ï8bau geben N. Hirth'S „Gemerbekrankheiten der Arbeiter" eingehenden 
'äschluf;. Danach übertrifft die Gefährlichkeit des Steinkohlenbergbaues die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.