Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 131
Zürich, damals unter der Tyrannis Rudolf Bruns demokratisch
geleitet, war aus Feindschaft gegen Habsburg, Bern aus Furcht
vor Savoyen und Habsburg zugleich beigetreten: ausgesprochen
war der Gegensatz gegen die Fürsten.
Und gegen die Fürsten hat die Eidgenossenschaft im Laufe
des 14. und 15. Jahrhunderts noch zweimal ihre Selbständig—
keit zu verteidigen gehabt, gegen Habsburg in den Schlachten von
Sempach und Näfels (1886 und 1388)1, gegen Burgund in
den Schlachten von St. Jakob an der Birs, Granson, Murten
und Nancy (1444, 1476 und 1477)2. Es waren durchweg
Ehrentage der Eidgenossen; kein Wunder, wenn sie ihnen neuen
Zuwachs brachten. Nachdem schon früher Mühlhausen im
Elsaß, Rottweil in Schwaben, die Abtei Engelberg, die drei
Bünde in Rätien, Wallis und Genf hinzugetreten waren,
folgten nach dem letzten Burgunderkriege 1481 Freiburg und
Solothurn, 1501 Basel und Schaffhausen, 1513 endgültig auch
das Land Appenzell. Und gleichzeitig wurde eine große innere
Krise zwischen städtischen und bäuerlichen Tendenzen nochmals
üüberwunden; ihr versöhnlicher Abschluß führte die Schweiz der
Entwicklung eines modernen Staates zu.
Ließ sich nun bei alledem, bei einer immer mehr ab—
weichenden inneren Entwicklung zumal, der alte politische Zu—
sammenhang mit dem Reiche festhalten? War die Reichs—
unmittelbarkeit nicht zur Reichsentfremdung geworden? Schon
in den Jahren 1452 und 1458 hatten die Eidgenossen mit
Frankreich eine ewige gute Freundschaft' abgeschlossen; seitdem
begann der französische Einfluß zu herrschen; und seit Karl VIII.
(14831498) beteiligten sich die Eidgenossen aktiv an der
italienischen, dem Reiche feindlichen Politik Frankreichs. So
konnte der offene Bruch mit dem Reiche nicht ausbleiben. Er
erfolgte unter König Max J.; nach einem unglücklichen Kriege
gestand Max in dem Frieden von Basel vom 22. September
1499 den Eidgenossen Freiheit von Reichssteuern und Reichs—
Vgl. unten S. 374.
Vgl. unten S. 449.