Full text : Schutz dem Arbeiter!

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sichern.  Als  spontane  Bildungen  haben  sich  diese  Fabrik-Ausschüsse
bezüglich  Organisation  wie  Competenzen  natürlich  sehr  verschiede«
gestaltet,  aber  das  Wesentliche  ist  ihnen  allen  gemeinsam,  daß,  wie
Se.  Majestät  den  westfälischen  Bergwerks-Gesellschaften  dringend  empfahl
den  Arbeitern  Gelegenheit  gegeben  wird,  ihre  Wünsche  zu
formuliren,  die  „Fühlung  mit  den  Arbeitern  erhalten  wird".  Nickst
das  Statut,  nicht  die  Competenzen  bestimmen  auch  den  Werth  de*
„Ausschusses",  sondern  das  Vertrauen,  welches  Arbeitgeber  und  Arbeiter
demselben  entgegenbringen,  der  Grad,  in  welchem  er  sich  als  Ver  mitte"
lungs-Organ  zwischen  beiden  erweist  und  bewährt.
Als  Vermittelungs-Organ  soll  der  Arbeitgeber  den  Ausschuß
betrachten.  Namentlich  in  größern  Fabriken  kann  der  Arbeitgeber  (Director)
unmöglich  direct  mit  den  einzelnen  Arbeitern  und  Arbeiterfamilien  ^
Beziehung  treten;  derselbe  ist  mehr  oder  weniger  auf  Beamte  und  Ä«"
gestellte  angewiesen,  die  aber  vielfach  den  Arbeitern  fernstehen,  mit  Misst
trauen  oder  Neid  angesehen  werden.  Eine  Auswahl  aus  den  Arbeiter«
zu  treffen,  hält  schwer  und  bedeutet  eine  Zurücksetzung  der  Uebrigen,  führt
erst  recht  zu  Neid  und  Mißtrauen  gegen  jene.  Es  sind  auch  nicht  immer
die  Besten,  welche  sich  an  den  „Herrn"  heranzudrängen,  sich  einzw
schmeicheln  wissen;  jedenfalls  sind  sie  nicht  diejenigen,  denen  die  Arbeiter
ihre  Klagen  und  Wünsche  anvertrauen  werden  und  welche  dem  Arbeit"
geber  ehrlichen  Wein  einschenken.  Anders  ein  in  gleicher,  geheimer,
directer  Wahl  gewählter  Arbeiter-Ausschuß,  der  die  Verhältnisse
in  der  Fabrik  wie  den  Familien  kennt,  der  ein  Herz  hat  für  die  Arbeiter
und  ihr  Vertrauen  genießt.  Durch  diesen  kann  er  die  wahren  $«*
schauungen  der  Arbeiter  kennen  lernen,  auch  das  Urtheil  der  übrige«
Arbeiter  erfahren,  Anregungen  und  Vorschläge  entgegennehmen,  in  Rede
und  Gegenrede  klarstellen  und,  so  weit  es  möglich,  berücksichtigen.  Jede«"
falls  ist  es  besser,  wenn  er  die  Kritik  und  Klagen  der  Arbeiter  resp.  ihrer
Vertreter  selbst  hört,  wenn  er  Gelegenheit  hat,  entweder  seine  eigene«
Pläne  zu  corrigiren,  oder  aber  Vorurtheile  zu  beseitigen,  anck)
seine  Gründe  und  Gesichtspunkte  klarzulegen,  als  wenn  hinter  seinem
Rücken  kritisirt  wird.  Meistens  werden  sich  die  Anschauungen  und  Er"
fahrungen  der  Arbeiter  als  nützlich  erweisen;  meistens  werden  sich  du-'
Gegensätze  auch  leicht  ausgleichen  lassen,  wird  sich  ein  vermittelnder
Weg  finden;  immer  aber  wird  ein  offener  Austausch  der  Meinunge"
desser  sein,  als  innerer  Groll,  Mißtrauen  und  Aufwiegelung'
Wie  unser  Kaiser  Wilhelm  betonte:  der  Mangel  an  Fühlung  ist
^ ec  schon  manche  unangenehme  Ueberraschung  gebracht  hat  und  noch
bringen  wird.  Die  Arbeitgeber  wissen  meistens  nicht,  wie  die  Arbeiter
unter  sich  denken  und  fpred^eu,  wie  Mißtrauen  und  Argwohn,  berechtigt
            
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