Full text: Schutz dem Arbeiter!

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erschütterte. Noch betrachten sich die Arbeitgeber als die „Herren", und die 
Weigerung der Arbeiter, zu arbeiten, als Anflehnu n g. Jene Gewerkvereine wurden 
daher bei ihrer Entstehung als hoch verra the risch und gesellschaftsfeindlich gebrandmarkt. 
Besonders bezeichnend aber für die Stellung, welche damals die Arbeitgeber ein 
nahmen, war ihre Weigerung, über die von den Arbeitern gestellten Be 
dingungen überhaupt mit ihnen zu verhandeln. Wie könnten sie verhan 
deln, wo zu befehlen sie das Recht zu haben glauben? Der Kampf zwischen 
beiden Klassen ward also in dieser Periode scheinbar noch erbitterter als bisher. 
Der Organisation, welche sich die Arbeiter gegeben hatten, begannen die Arbeit 
geber eine gleiche Organisation entgegenzusehen; sie versuchten die 
Ausstünde mit Ausschließungen der daran betheiligten Arbeiter zu bekämpfen- 
Jndem die Arbeiter sich nicht mehr machtlos zur Wehr setzten, wurden die Kämpfe länget 
und ihr Ausgang zweifelhafter. Tausende und Abertausende von Familien geriethen durch 
sie in's Elend; oft war eine schmähliche Niederlage der Arbeiter ihr Ende wie bei deM 
großen Ausstande der vereinigten Engineers 1852. Anderseits aber waren auch Erfolge 
nicht selten; sie wurden um so häufiger, je mehr die Arbeiter die Verhältnisse ihres 
Gewerbes übersehen lernten, den Weltmarkt zu studiren anfingen und darum 
Zeit ihres Vorgehens richtiger als bisher wählten. Einen Unterschied aber hatten Ì C Ņ C 
Kämpfe gegenüber den frühern. Während in den zwanziger bis vierziger Jahren ^ 
Arbeiter socialen Wahngebilden in aussichtslosen Ausstandsversuchen nachjagten, waren ^ 
nun greifbare Zwecke, nämlich höherer Lohn, andere Arbeitsbedingungen, kürzere 
Arbeitsstunden, für die sie ihre Existenz einsetzten, die sie bald erreichten, bald niäst 
erreichten. Eine eigenthümliche Erscheinung war es sodann, daß der gewaltsame Geist' 
der früher zu den schlimmsten Ausschreitungen geführt hatte, auszusterben begann, ins 
besondere seitdem die letzten gesetzlichen Schranken fielen, Reste von jenen Suppressivgeietze», 
mit denen man die Vereine früher zu unterorücken versucht hatte. Seit dieser Zeit stie Ñ 
mit ihrer Macht und Ausbreitung (die Gewerkvereine umfassen zur 3^ 
gegen 3 1 /2 Millionen Arbeiter) auch die Einsicht über die zweckmäßigste Ber- 
Wendung ihrer Kräfte, während auf der andern Seite die einsichtsvollern Arbeit 
geber immer mehr zur Ueberzeugung gelangten, daß man es hier nicht mit 
Bewegungen zu thun habe, die zurückzudrängen möglich sei. Nachdem beide 
Theile somit in langem Kampf ihre Kräfte gemessen, entwickelten sich allmälig süd 
lichere, auf der Anerkennung beiderseitiger Rechte beruhende Anschauungen, welche in ^ 
dritte Periode hinüberführten. 
Diese dritte Periode umfaßt den Uebergang vom Krieg zum Frieden- 
„Die Entwickelung," sagt von Schulze-Gaevernitz, „geht nunmehr dahin, beide Theite 
zur Einsicht zu bringen, daß ihr Gegensatz nicht auf persönlichem Uebelwollcn be 
ruht, sondern vielmehr ein rein wirthschaftlicher ist, ein Kampf, wie er sich allent 
halben zwischen Käufern und Verkäufern abspielt und als solcher nicht durch das Gefillst' 
sondern lediglich durch Ve rst and es r ü cks ich t en beherrscht ist. Voran in dieser Beziehnnñ 
gingen die Arbeitgeber, in deren Reihen Verstand und kühles Urtheil häufiger als ber 
den Arbeitern zu finden waren. Nachdem die erste gewaltthätige Generation von Arbeit 
gebern abgestorben war, wurden ihre Söhne von jener Bewegung ergriffen, welche 
Laufe des Jahrhunderts die besitzenden und gebildeten Klassen Englands zum Bewußtsein 
ihrer Pflichten gegen die untern erweckte. Zunächst versuchten sie mit Wohlfahrts 
einrichtungen zu Gunsten der Arbeiter das alte feudale Abhängigkeits 
und Vertrauens-Verhältniß wiederherzustellen; überall aber bracht 
solche Versuche zusammen. Wie ist es auch möglich, daß das Verhältniß zwilşş 
Zweien, deren wirthschaftlichc Interessen enigegengesetzt sind, durch »Wohlwollen« geleite 
werde f Wie wäre es etwa, wenn der Spinner seinen americanischen Baumwollen-Liest-
	        
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