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indianischer Agent im Kamp Leavenworth, taxierte, daß
1815 bis 1830 der Pelzhandel am Missouri und seinen
Nebenflüssen sich auf 3 330 000 Dollar mit einem Rein-
gewinn von I 650 000 Dollar belaufen habe. Diese Zahlen
sind aber fraglos bedeutend zu niedrig gegriffen.
Es ist kaum nötig zu sagen, daß Astor, der verantwortliche
Leiter und Nutznießer, für die zahlreichen Verletzungen
von Straf- und Zivilgesetzen, die ohne Unterschied unter
seiner Leitung und zu seinem Nutzen von der Amerikani-
schen. Pelzgesellschaft verübt worden sind, niemals ge-
setzlich verfolgt wurde. Mit den Millionen, die einkamen,
konnte er nicht nur über die Dienste der bedeutendsten
Rechtsanwälte verfügen, damit sie ihn vor den gesetzlichen
Strafen bewahrten, sondern auch einige der bekanntesten
und mächtigsten Politiker des Tages zu seinen bezahlten
Lakaien machen. Ein Eintrag vom 3. Mai 1817 in die
Geschäftsbücher der Amerikanischen Pelzgesellschaft, die
im März 1909 in New York ausgestellt wurden und die der
Verfasser selbst eingesehen hat, zeigt, daß Lewis Caß
35 000 Dollar für nichtspezifizierte Dienstleistungen er-
hielt. Zweifellos hatte Astor die besten Gründe, die Zah-
lung nicht zu erläutern; Caß war Gouverneur des Terri-
torlums Michigan, oder war es gewesen, und er war der
spätere Kriegsminister, an den so viele Klagen über Ver-
brechen von Astors Amerikanischer Pelzgesellschaft ge-
richtet wurden. Senator Benton aus Missouri, eine Leuchte
der demokratischen Partei, war nicht nur sein gesetzlicher
Vertreter im Westen und focht seine Sachen durch, sondern
führte auch als Senator der Vereinigten Staaten auf dem
Kongreß Maßtegeln ein, die Astor und nur Astor zugute
kamen. So bietet sich uns das Bild eines notorischen Ver-
letzers der Gesetze, der die Hilfe der Gesetze anruft, um
sich noch mehr zu bereichern; — aber dieser Umstand
fordert keine besondere Kritik heraus, denn die ganze
Handelsklasse im allgemeinen verfuhr genau ebenso.