15. Die Bestimmung der Zinssätze des Geldmarkts. 47
Risiko auf sich. Oie Gesamtheit der Anlagen mutz die Zinsen wieder
hereinbringen und einen Nutzen ergeben; das Matz der Vergütung,
das bei der einzelnen Anlage gefordert wird, richtet sich nach dem Grad,
in welchem die Anlage dem Liquiditätserfordernis der Rank entspricht.
Zn einem nach autzen abgeschlossenen Wirtschaftsstaat, in dem
sich alle Zahlungen durch Umschreibung bei einer einzigen Lank regeln
würden, wäre die Forderung der Liquidität überflüssig, ver Unterneh
mer würde z. B. behufs Lohnzahlung von einem Uonto Uebertra-
gungen auf die Uonti der Arbeiter vornehmen; der Arbeiter würde
dem Eigentümer des Hauses, bei dem er zu Mete wohnt und dem
Konsumverein, bei dem er Waren bezogen hat, durch Ueberweisung
zahlen u. s. f. Aber in unserer derzeitigen Organisation müssen die
Banken aus drei Gründen liquide sein: Erstens wegen Zahlungen an
das Ausland, für die ein befriedigender Ueberweisungsverkehr noch
nicht besteht und bei denen die Saldi der Zahlungsbilanz in Metall
beglichen werden müssen, zweitens wegen der Unvollständigkeit der Bank
zahlung im innern Verkehr, in welchem starke, in Panikzeiten sehr steige
rungsfähige Metall- und Notenzirkulation stattfindet und endlich wegen
der Vielheit der Banken, die fortwährend Uebertragungen von einer Bank
an die andere bedingt. Zwar möchte man meinen, datz hier durch die
Inanspruchnahme des Akzeptkredits Abhilfe geschaffen werden kann:
Wenn die Bank A an die Bank B mehr Ueberweisungen zu leisten als
von dieser zu empfangen hat, so kann sie der andern Bank ihr Akzept
geben und so den Ausfall decken — aber nur dann, wenn sie bis zur
Fälligkeit des Akzepts mehr Eingänge als Ueberweisungen erwarten
darf. Vas Akzept kann im nationalen wie im internationalen Verkehr
eine Lücke nur zeitweilig, nicht dauernd schlietzen.
Aus diesen Gründen müssen die Banken ihre Einlagen so ver- !
wenden, datz die Zahlungsfähigkeit bei Abhebungen gesichert ist. Eine
Ouote wird teils bar, teils als Guthaben bei der Notenbank sofort
verfügbar gehalten,- ein anderer Teil auf kurze Frist in täglichem Geld
angelegt- die Essektenkredite laufen in manchen Ländern halb-, in
andern ganzmonatlich, die Effektenlombarde teilweise mehrmonatlich,-
die Fälligkeitstermine der Wechsel variieren bis zu drei Monaten.
Vas Zinsenverhältnis zwischen den einzelnen Krediten ist nach
Reichen verschieden: auf dem Kontinent gehen die Notenbanken von
dem Grundsatz aus, datz der Wechsel, da er eine volkswirtschaftliche
Zirkulation bescheinigt, dem Effektenkredit an Liquidität vorangeht;
sie rechnen daher für Effektenlombard mehr (um 1% die Reichsbank,
die auf Lombards nicht Noten ausgeben darf, und die Oesterreich-