Object: Finanzwissenschaft

4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
obwohl auch der Zucker im physiologischen Haushalt des mensch- 
lichen Organismus wichtige Funktionen erfüllt, obwohl der Zucker 
auch bei Bereitung vieler Arzneimittel unentbehrlich ist, obwohl 
der Zucker — woran Vocke erinnert — namentlich Kindern und 
Frauen nötig ist, wo also eine Leistungsfähigkeit nicht konstatierbar 
ist, so können wir äoch dessen Besteuerung nicht ganz abweisen. 
Reichere Staaten, wie England, haben die Zuckersteuer abschaffen 
können, mit der fortsteigenden Erhöhung der Ausgaben wurde die- 
selbe aber wieder von vielen Seiten reklamiert und im Weltkriege 
auch wieder eingeführt. Nicht die gänzliche Zurückweisung, sondern 
die mäßige Festsetzung der Zuckersteuer ist es, was dann aber um 
so mehr gefordert werden muß, als gewisse allgemein verbreitete 
Genußmittel, Tee (namentlich in England und Rußland), Kaffee 
(namentlich in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich), Scho- 
kolade (namentlich in Spanien) ohne Zucker fast ungenießbar sind. 
2. Arten der Besteuerung. Wie bei allen Verzehrungs- 
gegenständen, die das Objekt fabriksmäßiger Produktion sind, so 
finden auch beim Zucker verschiedene Besteuerungsweisen Platz. 
Kine verbreitete Besteuerungsart ist die Besteuerung des Rohpro- 
duktes, der Zuckerrübe, vor Eintritt in die Fabrik. Der Vorteil 
dieser Besteuerungsart ist, daß bei den verarbeiteten großen Quan- 
titäten Steuerentziehungen schwieriger sind, der Nachteil, daß dieses 
Moment noch weit von der Konsumtion entfernt ist, die Steuer 
also durch die Interkalarzinsen noch erhöht wird, hauptsächlich aber, 
daß bei dieser Besteuerungsart die zuckerreicheren Rüben und also 
die Gegenden, Länder, die diese produzieren, im Vorteile sind, 
gegenüber jenen mit weniger zuckerreicher Rübe. Die Konkurrenz 
der Länder mit ärmeren Rüben wird erschwert, da die Fabrikation 
ım allgemeinen hierdurch verteuert wird, also die produzierte 
Wareneinheit mit einer größeren Steuer belastet ist. Ein weiterer 
Nachteil besteht ferner darin, daß der Staat nicht genau darüber 
informiert ist, welches Quantum Rübe notwendig ist, um z. B. einen 
Meterzentner Zucker zu erzeugen. Nun muß aber die Steuer auf 
den Gegenstand der Verzehrung bezogen werden, da sich ja daraus, 
aus der auf den Konsum verwendeten Summe, die Leistungsfähig- 
keit des Individuums bestimmt. Das Verhältnis zwischen Rohpro- 
dukt und Ganzfabrikat hängt aber nur vom Stande der Technik 
ab. und die Technik wird stets danach trachten, den Fiskus zu um- 
gehen. Oft sagt man auch, daß dies sogar die Absicht des Staates 
ist, er will die Technik anspornen, sich ein günstigeres Resultat zu 
sichern, indem sie die Produktion derart vervollkommnet, daß die 
Steuerlast gemindert wird. In der Tat verdankt die Rübenzuckerfabri- 
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