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Positionen für Eisen- und Metallwaaren in den früheren österreichischen Zolltarifen
ist auch auf den neuen übergegangen und giebt einer willkürlichen Auslegung seitens
der Zollämter größeren Spielraum. Es liegen uns neue Klagen über die Er
schwerung der Einfuhr, welche in Folge der Unsicherheit der Zolldeclaration bestebt,
vor. Wir werden unS gestatten, über einzelne Fälle in Specialangaben zu berichten.
Der Abschluß eines neuen Tarifvertrages mit Rumänien ist dringend zu wünschen.
Die Position, welche sich der deutsche Handel in Rumänien mühsam errungen hat,
wird in Frage gestellt, wenn es nicht gelingen sollte, in einem neuen Zolloertrage
die früheren Bedingungen für die deutsche Einfuhr zu erlangen. Diese werden
nur zu erreichen sein, wenn von dem Deutschen Reiche für das rumänische Getreide
dieselbe Zollcrmäßigung. wie für das österreichisch-ungarische, gewährt wird."
Handelskammer zu Lüdenscheid.
,Jm Vordergründe der gesammten handelspolitischen Erörterungen deS ver
flossenen Jahres standen die neuen Handelsverträge Wenn wir in unserm
vorigen Bericht der lebhaften Freude, welche die langersehnte Wendung in der
deutschen Zollpolitik bei der gesammten Industrie unsers Bezirks wach gerufen.
Ausdruck verlieben, so lebten wir dabei der Zuversicht, daß in den einzelnen
Fabrikationszweigcn auf Grund der neuen Tarifpositioneil nunmehr eine Periode
frischen, fröhlichen Schaffens beginnen werde, daß alte, durch die rauhe Hand der
Schutzzölle zerrissene Beziehungen wieder angeknüpft und neue geschaffen werden
würden. Nach einer traurigen, verderblichen Zeit des Kampfes und des gegen
seitigen ZcrslcischenS sollten nunmehr, so glaubte man. die Staaten Mitteleuropas
in friedlichem Wettbewerb auf dem Boden der Gleichberechtigung ihre Kräfte
messen und im unbehinderten Austausch ihrer Erzeugnisse ihren Nationalwohlstand
fördern. Die Veröffentlichung de« Wortlauts der Verträge brachte sedoch manche
Enttäuschung Von wenigen Ausnahmen, die sich fast lediglich auf Halbfabrikate
beschränkten? abgesehen, haben die neuen Tarife für Artikel unsers Bezirks keine
nennenswertben Ermäßigungen gebracht, und in fast sämmtlichen Mittheilungen
sür unsern diesjährigen Bericht begegnen wir der Erklärung: Eine Ausdehnung
des Exports auf Grund der neuen Handelsverträge ist nicht zu ermöglichen gewesen
und steht auch noch nicht in Aussicht Wir baben nicht versäumt, Ew. Excellenz
wiederholt in eingehenden Berichten die Wünsche und Bedürfnisse der verschiedenen
Industriezweige unsers Bezirks darzulegen, mußten aber leider bei Veröffentlichung
der Verträge finden, daß dieselben vielfach unberücksichtigt geblieben sind Auch
unsere fernere Bemühungen bei der Berathung der Verträge im Reichstage Ab-
änderungen der betreffenden Tarifpositionen im Sinne unserer Anträge zu erlangen,
sind erfolglos geblieben, da der Reichstag vor die Frage einer unveränderten
Annahme oder Ablehnung der Verträge gestellt wurde.
„Stets wurde von uns darauf hingewiesen, wie außerordentlich wichtig es fei,
in den Tarifen klare und gleichlautende Tarifpositionen zu schaffen. Daß hier ein
Versehen — nur ein solches wird obwalten — oft ganz empfindliche Nachtheile
im Gefolge haben kann, bat u. A. unsere Metallknopf-Fabrikation erfahren müssen,
da auf Grund einer anscheinend geringfügigen Verschiedenheit im Wortlaut der
betreffenden Tarifpositionen des deutschen und österreichisch-ungarischen Handels
vertrags die Methode der Verzollung ein und desselben Artikels diesseitig und
dortseitig eine verschiedene ist. Eine Unzuträglichkeit, die wir mehrere Jabre in
wiederholten Eingaben und durch mündliche Auseinandersetzung zur Kenntniß der