Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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gleichfalls  dazu  beitragen  wird,  die  politischen  Beziehungen  der  Dreibundstaaten
durch  die  Annäherung  auf  wirthschastlichein  Gebiet  innerlich  zu  festigen."
Handelskammer  für  den  Regierungsbezirk  Münster.
„Anfang  vorigen  Jahres  hat  die  Handelskammer  an  das  Königliche  Ministerium
für  Handel  und  Gewerbe  einige  Wünsche  hinsichtlich  des  deutsch  österreichischen
Handelsvertrages  ausgesprochen.  Auch  der  deutsch-schweizerische  Handelsvertrag  ist,
soweit  er  unsere  Textilindustrie  berührte,  Gegenstand  einer  Versammlung  von  Textilindustriellen
  Hierselbst  ain  8.  Januar  1892  gewesen.  Sowie  die  Verhältnisse  lagen,
konnten  wir  in  wirklich  umfassender  Weise  zu  den  Handelsverträgen  keine  Stellung
nehmen.  Zu  unserem  Glück  haben  die  Interessen  unseres  Bezirks  durch  die  Neugestaltung ­
  der  handelspolitischen  Beziebungen  Mitteleuropas,  die  seit  Anfang  dieses
Jahres  auf  12  Jahre  unter  neuen  Bedingungen  festgelegt  sind,  keine  nennenSwerthe
Schädigung  erlitten.  Eine  indirekte  Schädigung  befürchtet  unsere  einheimische
Spinnerei  von  dein  deutsch-schweizerischen  Handelsvertrag  Derselbe  wird  die
elsässischen  Spinnereien  voraussichtlich  veranlassen,  sich  mehr  auf  die  Herstellung
von  mittleren  und  gröberen  Garnen  zu  werfen  und  der  inünsterländischen  Textilindustrie ­
  wird  daraus  eine  weitere  inländische  Konkurrenz  erwachsen  Doch  zeigt
sich  auch  hier  der  althergebrachte  in  der  Natur  der  Sache  begründete  Gegensatz
zwischen  Spinnerei  und  Weberei.  Unsere  Vertreter  der  letzteren  haben  gegen  den
deutsch-schweizerischen  Handelsvertrag  nichts  einzuwenden  gehabt.
„Wenn  wir  auch  von  dem  Inhalt  der  Handelsverträge  im  Ucbrigen  wenig
oder  garnicht  berührt  worden  sind,  und  die  neueste  Phase  unserer  Handelspolitik,
welche  mit  Beibehaltung  des  Prinzips  des  Schutzes  der  nationalen  Arbeit,  die
Handelsbeziehungen  zu  Oesterreich-Ungarn,  Italien,  Belgien  und  der  Schweiz  auf
12  Jahre  hin  regelt,  als  eine  Garantie  für  eine  stetige  Zollpolitik  mit  Genugthuung
begrüßen  können,  so  müssen  wir  doch  gegen  die  Art  und  Weise  der  geschäftlichen
Erledigung,  die  die  Negierungen  den  Handelsverträgen  angedeihen  ließen,  entschieden ­
  Verwahrung  einlegen.  Freunde  und  Feinde  der  neuen  Handelspolitik  find
darin  einig,  daß  die  Regierungen  vor  Eintritt  in  Verhandlungen  sich  nicht  in  hinreichendem ­
  Maße  mit  den  interessierten  Kreisen  in  Verbindung  gesetzt  haben.  Sie
haben  sich  damit  begnügt,  einmal  die  gelegentlichen  Aeußerungen,  wie  sie  sich  in
den  Organen  der  wirthschaftlichen  Interessengruppen,  lin  Handelskammerberichten
».  s.  w.)  vorgefunden  haben,  zu  sammeln,  andererseits  ohne  ibre  Tendenzen  zu
verrathen,  auf  Grund  einer  allgemein  gehaltenen  Anfrage,  Gutachten  einzuholen,
die  naturgemäß  dürftig  und  in  ihrem  Inhalt  unsicher  tastend  ausfallen  mußten,  in
keinem  Falle  aber  umfassenden  Werth  hatten.  Es  hat  sich  bei  dieser  Gelegenheit
wiederum  gezeigt,  welche  cinpfindliche  Lücken  der  Apparat  unserer  wirthschastlichcn
Gesetzgebung  zeigt.  Wir  vermissen  jegliche  Einrichtung  in  unserem  Staatsorganismus,
welche  amtliche  umfassende  Wirhschaftsenqucten  ermöglicht.  Die  formale  geschäftliche ­
  Erledigung  der  Vorlage  in  den  Parlamenten,  die  gewalsame  überhastete
„Durchpcitschung"  der  Gesetzentwüfe  im  Plenum  —  so  hat  man  sie  nicht  mit
Unrecht  bezeichnet  —  entsprechen  nach  keiner  Richtung  hin  der  wirthschaftlichcn
Tragweite  der  beschlossenen  handelspolitischen  Maßregeln.  Man  vergleiche  damit
das  umsichtige  Verfahren  der  Schweiz.  Ihre  diplomatischen  Vertreter  arbeiteten
vor  und  während  der  Verhandlungen  mit  80  Industriellen  und  sämmtlichen  Handclskammersekrctären
  deS  Landes.  Jeder  Schachzug  der  eidgenössischen  Handelspolitik
            
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