Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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war  in  seinen  wirthschafllichen  Konsequenzen  von  vornherein  wohl  überlegt  und
ihr  Verfahren  demjenigen  der  Gcgenkontrabenten  entschieden  überlegen.
„Hinsichtlich  des  dcutsch-spaniichcn  Handelsvertrages,  dessen  Verhandlungen
noch  nicht  zum  Abschluß  gelangt  sind,  haben  wir  das  Handelsmiaisterinm  unter
dem  17.  Februar  d.  Je.  aus  die  in  unserem  Bezirke  vertretene  Dochtinduftrie,  die,
wie  wir  boffen,  unschwer  Berücksichtigung  finden  kann,  aufmerksam  gemacht.  Sie
führt  seit  Jahren  in  erheblichem  Maße  ihre  Erzeugnisse  nach  Spanien  ano,  wird
aber  durch  eine  Tariferhöhung  seitens  Spaniens  von  73  cts  auf  3  ps  bedroht.
Es  scheint  indessen,  daß  Dank  des  geringen  Entgegenkommens  von  Seiten  Spaniens
der  Handelsvertrag  nicht  erneuert  wird,  und  wir  uns  darauf  gefaßt  machen  müssen,
vom  I.  Juli  1892  ab  einstweilen  mit  Spanien  uns  im  Zollkrieg  zu  befinden.
„Hinsichtlich  des  neu  zu  vereinbarenden  deutsch-schwedischen  Handelsvertrags
haben  wir  die  Königliche  Staatsregierung  auf  unsere  Eisen,  und  Emailliriudnstrie,
welche  cmaillirte  und  rohe  Kochtöpfe  nach  Schweden  und  Norwegen  ausgeführt
hat,  aufmerksam  gemacht.  Sie  bat  dabei  erfolgreich  mit  Dänemark  konkurrirt.
Seit  etwa  5—6  Jahren  haben  die  Schweden  selbst  Emaillirwerke  angelegt  und
seitdem  wird  die  Einfuhr  von  roben  Töpfen  durch  einen  Zoll  von  2  öre,  die  der
emaillirten  sogar  von  8  üre  pro  kg  verhindert.  Durch  unerhebliche  Zugeständnisse
deutscherseits  könnte  vielleicht  dieses  Exportgebiet  wieder  erobert  werden.
„Aus  agrarischen  Kreisen,  die  noch  dazu  ein  lokal  beschränktes  Anbaugebict
vertreten,  ist  dein  Reichstag  ein  Gesetzentwurf  zugegangen,  in  welchem  die  Erhöhung
des  Eingangszolles  für  Tabakblätter,  unbearbeitete  und  Stengel,  von  85  auf
125  Mk.  pro  lOO  kg  beantragt  wird.  Aebnlichc  Anträge  wiederholen  sich  periodisch
von  Zeit  zu  Zeit  und  sind  dazu  angethan,  unsere  einheimische  Tabakindustrie  immer
wieder  auf's  Neue  zu  beunruhigen.  Mit  Genugthuung  verzeichnen  wir  die  Thatsache, ­
  daß  der  diesbezügliche  Antrag  Menzer  und  Genossen  mit  großer  Majorität
abgelehnt  ist/'
Handelskammer  für  den  Mrcia  Liegen.
„Als  im  Jahre  1878  sich  die  Nothwendigkeit  herausstellte,  der  freien  und
zügellosen  Ausbeutung  der  deutschen  Nation  durch  andere  Völker  einen  Damm
entgegenzustellen,  wurden  die  Vorbereitungen  zu  einer  Aenderung  der  damals  bestehenden ­
  Zollpolitik  damit  getroffen,  daß  allen  Betheiligten  die  Möglichkeit  gegeben
wurde,  ihren  Jnteresscnstandpunkt  zu  vertreten.  Die  damals  eingeleitete  öffent»
liche  Behandlung  dieses  Gegenstandes  ergab  einen  so  vollkommenen  und  klaren
Neberblick  über  die  wirtbschastliche  Lage  der  Nation  und  über  die  Bedeutung  der
einzelnen  sich  entgegenstellenden  Interessen,  wie  sie  selten  sowohl  für  Regierende
als  für  die  Interessenten  erreicht  worden  ist.  Die  aus  Grund  dieser  Erhebungen
eingeleitete  Schutzzollpolitik  kann  heute  auf  eine  Periode  glänzender  Entwicklung
der  deutschen  Industrie  verweisen.  Da  Kohle  die  hauptsächlichste  Grundlage  der
gesammten  Industrie  und  Eisen  der  Gegenstand  der  größten  Industrie  unseres
'Vaterlandes  bilden,  so  verweisen  wir  daraus,  daß  die  Förderung  in  Preußen  an
Kohlen  im  Jahre
1877  1890
39  Mill,  t  74  Mill  t
und  die  Produktion  an  Roheisen  1,42  „  3,28  „  betrug.
„Entgegen  den  Behauptungen  der  Manchesterleute  haben  die  Preise  der  Lebensmittel ­
  während  dieser  Periode  sich  lediglich  nach  den  Ernten  und  der  damit  zusammen-
            
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