Full text: Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

Worrvort. 
Die nachfolgende Zusammenstellung von Auszügen aus den Jahres 
berichten der deutschen Handelskammern für 1891 schließt sich in 
ihrer Einrichtung an die ähnlichen Veröffentlichungen früherer Jahre an. 
Es kommt ihr ein besonderes Interesse zu, da mit dem Inkrafttreten der 
neuen Handelsverträge am I. Februar d. I. sich in der deutschen Zollpolitik 
eine wichtige Wandlung vollzogen hat, über deren Werth und Wirkung ein 
Urtheil abzugeben die deutschen .Handelskammern in erster Linie berufen 
sind. Vorgelegen haben bei Abfassung der Zusammenstellung 107 Berichte. 
Da von diesen indessen 9 Berichte eine allgemeine Beurtheilung der neuen 
deutschen Handelspolitik nicht enthalten, so haben nur Auszüge aus 98 Be 
richten aufgenommen werden können. Einige Berichte fehlen diesmal aus- 
dem Grunde, weil sie nur ein Jahr um das andere herausgegeben werten, 
so daff sie erst im nächsten Jahr ein Urtheil über die Vertrage enthalten 
werden. 
Bis auf einen kleinen Bruchtheil lauten alle Berichte der neuen Vertrags- 
Politik günstig, in vielen sindet die Befriedigung über die eingetretene 
Wandlung lebhaften Ausdruck. Vor Allem wird die durch die Verträge 
herbeigeführte Sicherung gegen neue Erschwerungen der deutschen 
Ausfuhr durch weitere plötzliche Zollerhöhungen im Auslande fast allge- 
mein als ein wesentlicher Vortheil für die deutsche Gewerbthätigkeit be 
zeichnet. Selbst manche Handelskammern, welche seit langer als einem 
Jahrzehnt auf streng schutzzöllnerischem Standpunkt verharrt haben, erblicken 
darin einen dankenswerthen Fortschritt gegen die nachgerade beinahe überall 
zur Herrschaft gelangte Tendenz vollständiger Zollautonomie. Nur vereinzelte 
Kammern, in deren Bezirken vorzugsweise Montanindustrie und Baumwoll 
spinnerei vertreten sind, machen aus ihrer Mißstimmung kein Hehl und- 
nehmen den Abschluß der Verträge nur widerwillig als eine feststehende 
Thatsache hin, mit lvelcher die einheimische Produktion nunmehr zu rechneir 
babe. Wenn die deutsche Neikbsregierung demnach noch eines Beweises da-- 
1*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.