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seit einem Jahrzehnt herrschenden, einschneidend hohen Absperrungszölle ans dies
seitige Artikel — adjustirtc Nähgarne, Besatz-Artikel, Posamentirmaaren rc. —
unverändert bestehen geblieben sind. Tao Gleiche ist in Italien der Fall. Noch
in letzter Stunde hatten wir die Zollerhebungen der Schweiz, die namentlich die
Stapelartikel um das 3- und 4 fache vertbeucrn, abzuwenden versucht. Wenn wir
nun auch leer ausgegangen sind. so gewähren uns die Vertragsabschlüsse mit den
genannten Staaten immerhin die Genugthuung, daß wir die deutsche Zollpolitik
an einem Wendepunkt angelangt sehen, der den Weg für weitere friedliche Ver
ständigungen und wirtbschaftlichc Annäherungen eröffnet, und der uns hosten läßt,
daß die Principien des Freihandels, die wir von jeher verfochten haben, zum
Durchbruch gelaugen, denn es läßt sich nicht leugnen und wir begrüßen es mit
Freuden, daß durch die deutscherseits eingeräumte, wenn auch für die Industrie
unseres Thales unerhebliche Zollcrmäßigung auf eindrähtiges englisches Baumwoll
garn von Nr. 60 aufwärts sowie aus ausländisches Getreide cstenbar der Anfang
gemacht ist, mit der bisherigen der Textil-Industrie verhängnißvoll gewesenen
Schutzzollpolitik für die Folge zu brechen. Wir haben den Wunsch, daß es bald
gelingen möge, die Vertragsverhandlungen mit den noch ausstehenden Staaten,
von denen besonders Spanien, Portugal und Rumänien für unsere Industrie sehr
in Betracht kommen, zum endlichen Abschluß zu bringen und erwarten von der
Regelung dieser Verbälnisse eine größere Berücksichtigung unserer bekannt gegebenen
Forderungen, insbesondere für unsere bis jetzt leer ausgegangene Bänder-, Litzen-
und Besatz-Industrie.
„Der Export nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat unter dem
schädigenden Einfluß der vielgenannten Mac Kinley-Bill und ungeachtet des
glänzenden Ergebnisses der dortigen vieljährigen Ernten, von welchen man einen
Ausgleich erwartet batte, einen weiteren Rückgang erlitten.
,.Jn den geschäftlichen Beziehungen mit den Südameritanischen Staaten haben
die bekannten politischen und kriegerischen Ereignisse sowie die dort herrschenden
Epidemien und nicht minder die erfolgreichen Bemühungen der Vereinigten Staaten
in Brasilien und Westindien zur Erlangung günstiger Gegenseitigkeitsverträge
eine vollständige Stockung hervorgerufen.
..Die Handelskammer bat die Herabsetzung der Getreidezölle im Interesse der
arbeitenden Bevölkerung aufrichtig willkommen geheißen. Auch hat die Kammer
sich dem Antrage der vereinigten Schwesterkamniern Bremen, Hamburg, Lübeck
angeschlossen, der dabin gerichtet war: „daß das am Tage der Genehmigung der
Handelsverträge in deutschen Zollausschlüssen, Freihäfen, Freibezirken oder zollfreien
Lägern befindliche, oder nachweislich vor diesem Tage von deutschen Händlern im
Auslande gekaufte Getreide nach dem l. Februar 1802 auch ohne Nachweis des
Ursprungs aus einem Vertragsstaate zu den ermäßigten Sätzen der Vertragstarife
in den freien Verkehr des deutschen Zollgebiets eingeführt werden könne " Es hat
uns mit Genugthuung erfüllt, daß diesem Antrage wenigstens zum Theil statt
gegeben worden ist, denn aucb für die hiesige Gegend war viel Getreide, besonders
russischer Roggen, ausgekauft worden, welches nunmehr zu dem ermäßigten Zollsatz
eingeführt und womit eine weitere Vertheuerung des Getreides für uns glücklich
vermieden worden ist. Hoffentlich folgen dieser Ermäßigung noch
weitere im Interesse der Volksernährnng dringend nothwendige
Zollherabsetzn ngen."