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gewünschte Stetigkeit in handelspolitischer Beziehung dadurch wesentlich gefördert ist.
„Betreffs des Neuabschlusses oder der Erweiterung oder Verlängerung von
Handelsverträgen mit süd amerikanischen Staaten gaben wir aus Ver
anlassung des königlichen Ministeriums ein Gutachten ab, das wir auf die mittel
amerikanischen Staaten ausdehnten.
„Wir beantragen nun den Abschluß oder die Verlängerung von Handels
verträgen mit allen diesen Staaten aus möglichst lange Zeit, worin Deutschland
das Recht der Meistbegünstigung gesichert werde. Denn Tarifverträge mit wesent-
lichen Ermäßigungen der Eingangszölle wird Deutschland nach unserer Ansicht
dort kaum erreichen, da es seinerseits den amerikanischen Rohstoffen und Halb
fabrikaten keine erbeblichen Begünstigungen einräumen kann. Zum großen Tbeil
sind diese vielmehr schon jetzt in Deutschland zollfrei. Zollermäßigungen für die
übrigen, insbesondere Kolonialwaarcn, wie Kaffee und Tabak, würden dagegen
wahrscheinlich auch vielen anderen Staaten ebne Gegenleistung in den Lchooß
fallen und sind deshalb und aus finanziellen Gründen bedenklich. UebrigenS
dürften auch die süd- und mittelamerikanischcn Staaten zu Zollermäßigungen
wenig geneigt sein, weil sie auf die Eingangszölle, als eine ihrer Haupteinabme-
quellen, angewiesen sind; freilich wird dieser Umstand einerseits auch die Er
langung des Meistbegünstigungsrechtes in den Staaten, die Nordamerita Er'
Mäßigungen zugestehen wollen, erschweren, andererseits aber ebenso den nord'
amerikanischen Bestrebungen hinderlich sein. Wird aber für Deutschland die
Meistbegünstigung erreicht, so wird die Höbe der Eingangszölle dem Eingang
deutscher Waaren in jenen Staaten so lange kein all zu großes Hinderniß bereiten,
als deren eigene Industrie noch so wenig wie jetzt entwickelt ist.
„Wir sührten dann im Einzelnen die wichtigsten Waaren an. die ans unserem
Kammerbezirke nach den uns bei den Jahresberichten gewordenen Mittheilungen
nach Süd- und Mittelamerika ausgeführt werden."
Handelskammer zn Leipzig.
„Wie im Vorjahr ist zwar auch im Berichtsjahr der äußere Friede nicht ge
stört worden, mehr noch aber als in jenem fehlte es in diejem an Vertrauen auf
die Beständigkeit der Verhältnisse der Grundbedingung für eine gedeihliche Ent
Wickelung von Handel und Industrie. Und die Ungewißheit über den Ausfall der
Handelsverträge, welche bis gegen Jahresschluß auf den Gemüthern lastete. ließ
fast nirgends Unternehmungslust sich entsalten. Dazu kamen nun erst die nach
theiligen Wirkungen der McKinley-Bill auf den früher so bedeutenden Export
nach Nordamerika zur vollen Geltung, während die Ausfuhr nach den südameri-
kanischen Staaten durch die dortigen Unruhen und finaneiellen Wirren, die Aus
fuhr nach Spanien und Portugal durch die mißlichen Geldverbältniffe dieser
Länder ungünstig beeinflußt wurde. Außerdem wurde iin Jnlande die Kaufkraft
weiter Volkskreise durch die infolge der ungenügenden Ernte entstandene anhaltende
Theuerung empfindlich geschwächt und durch die russischen Ausfuhrverbote ein
großer Tbeil des deutschen Handels schwer geschädigt. Wenn nun auch die neuen
Handelsverträge manche Wünsche nicht befriedigt haben, so berechtigen dock) gerade
sie durch die Gewährleistung der Beständigkeit der Verhältnisse für einen längeren
Zeitraum zu der frohen Hoffnung auf den baldigen Wiedereintritt besserer
Zeiten."