Full text: Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

40 
hier, in dera denkbar einfachsten Typus der Wirtschaft, vereinigen 
sich Kapital und Arbeit. Aber das hat Stein wahrscheinlich nicht 
einmal gemeint, es scheint, dass er das Hinzutreten des Kredits 
als charakteristisches Merkmal des Unternehmens ansieht und der 
Ansicht ist, dass dieses der Wirtschaft fehle. Wir können uns aber 
ganz gut ein Unternehmen, ein Natural- und selbst ein Geldunter 
nehmen ohne Kredit denken, dagegen aber auch eine Wirtschaft — 
wir brauchen nur im realen Leben Umschau zu halten — mit 
Kredit. 
Wollte die Unterscheidung, welche z. 15. Schober’) anzudeuten 
scheint, dass nämlich in der Wirtschaft eigene, im Unternehmen 
fremde Produktionsmitteln thätig seien, Anspruch auf Wahrheit 
erheben können: dann müsste es wirklich wahr sein, dass jede Wirt 
schaft fremdes Kapital und fremde Arbeit entbehren, und kein Unter 
nehmer alle Produktionsfaktoren sein eigen nennen könnte. 
Auch jene Auffassung, die sich aus Keschers Lehre deduzieren 
lässt, dass die Wirtschaft die Produktion für sich selbst, das Unter- 
nehmen die Produktion für den Verkehr, also für andere sei, hat 
darum als Unterscheidung zwischen beiden Menschheitserscheinungen 
keine Berechtigung, weil ja auch die Wirtschaft vielfach für andere 
produzieren muss, um sich erhalten zu können, und die Art des 
Unternehmens auch so beschallen sein kann, dass es nur für den 
Bedarf des Unternehmers produziert, z. B. eine Ziegelbrennerei auf 
einem Großgrundbesitze, deren Erzeugnisse nicht verkauft, sondern 
zu Wirtschaftsbaulichkeiten verwendet werden. 
Noch eine Unterscheidung könnte man aus Keschers Theorie 
des Unternehmens zwischen diesem und der Wirtschaft ableiten, 
nämlich die, dass das Unternehmen auf eigene Gefahr, die Wirt 
schaft ohne oder auf fremde Gefahr produziere. Die Unrichtigkeit 
dieser Annahme ist auffällig, da ja, obgleich das Unternehmen 
allerdings stets mit Gefahr verbunden ist, es dies nicht allein mit 
eigener, sondern auch gar oft mit fremder, und auch die Wirtschaft, 
wenn auch relativ weniger gefahrvoll, so doch nicht gerade gefahrlos 
ist, und jeder Schade doch, wie das Unternehmen, zuerst sie trellen 
muss und dann andere berühren kann. Die Gefahr ist ein 
notwendiges, aber kein charakteristisches Attribut 
des Unternehmens®). 
’) Die Volkswirtschaftslehre (Leipzig 1882). S. 140. 
') Wiis von Koscher gesagt ist, gilt auch vou Maiigoldt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.