Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

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hier,  in  dera  denkbar  einfachsten  Typus  der  Wirtschaft,  vereinigen
sich  Kapital  und  Arbeit.  Aber  das  hat  Stein  wahrscheinlich  nicht
einmal  gemeint,  es  scheint,  dass  er  das  Hinzutreten  des  Kredits
als  charakteristisches  Merkmal  des  Unternehmens  ansieht  und  der
Ansicht  ist,  dass  dieses  der  Wirtschaft  fehle.  Wir  können  uns  aber
ganz  gut  ein  Unternehmen,  ein  Natural-  und  selbst  ein  Geldunternehmen ­
  ohne  Kredit  denken,  dagegen  aber  auch  eine  Wirtschaft  —
wir  brauchen  nur  im  realen  Leben  Umschau  zu  halten  —  mit
Kredit.
Wollte  die  Unterscheidung,  welche  z.  15.  Schober’)  anzudeuten
scheint,  dass  nämlich  in  der  Wirtschaft  eigene,  im  Unternehmen
fremde  Produktionsmitteln  thätig  seien,  Anspruch  auf  Wahrheit
erheben  können:  dann  müsste  es  wirklich  wahr  sein,  dass  jede  Wirtschaft ­
  fremdes  Kapital  und  fremde  Arbeit  entbehren,  und  kein  Unternehmer ­
  alle  Produktionsfaktoren  sein  eigen  nennen  könnte.
Auch  jene  Auffassung,  die  sich  aus  Keschers  Lehre  deduzieren
lässt,  dass  die  Wirtschaft  die  Produktion  für  sich  selbst,  das  Unternehmen
  die  Produktion  für  den  Verkehr,  also  für  andere  sei,  hat
darum  als  Unterscheidung  zwischen  beiden  Menschheitserscheinungen
keine  Berechtigung,  weil  ja  auch  die  Wirtschaft  vielfach  für  andere
produzieren  muss,  um  sich  erhalten  zu  können,  und  die  Art  des
Unternehmens  auch  so  beschallen  sein  kann,  dass  es  nur  für  den
Bedarf  des  Unternehmers  produziert,  z.  B.  eine  Ziegelbrennerei  auf
einem  Großgrundbesitze,  deren  Erzeugnisse  nicht  verkauft,  sondern
zu  Wirtschaftsbaulichkeiten  verwendet  werden.
Noch  eine  Unterscheidung  könnte  man  aus  Keschers  Theorie
des  Unternehmens  zwischen  diesem  und  der  Wirtschaft  ableiten,
nämlich  die,  dass  das  Unternehmen  auf  eigene  Gefahr,  die  Wirtschaft ­
  ohne  oder  auf  fremde  Gefahr  produziere.  Die  Unrichtigkeit
dieser  Annahme  ist  auffällig,  da  ja,  obgleich  das  Unternehmen
allerdings  stets  mit  Gefahr  verbunden  ist,  es  dies  nicht  allein  mit
eigener,  sondern  auch  gar  oft  mit  fremder,  und  auch  die  Wirtschaft,
wenn  auch  relativ  weniger  gefahrvoll,  so  doch  nicht  gerade  gefahrlos
ist,  und  jeder  Schade  doch,  wie  das  Unternehmen,  zuerst  sie  trellen
muss  und  dann  andere  berühren  kann.  Die  Gefahr  ist  ein
notwendiges,  aber  kein  charakteristisches  Attribut
des  Unternehmens®).

’)  Die  Volkswirtschaftslehre  (Leipzig  1882).  S.  140.
')  Wiis  von  Koscher  gesagt  ist,  gilt  auch  vou  Maiigoldt.
            
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