Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Beschränkung Der zweite Erfolg der Kultur ist die Beschränkung faktischer 
‚der Not auf Not auf immer kleinere Territorien und auf bestimmte Volksschichten, 
Deren den und] n. den eigentlichen Kulturstaaten wird niemals das ganze Land in 
Mitleidenschaft gezogen, und auch in den betroffenen Landesstrichen 
niemals die ganze Bevölkerung. Wohl aber können bestimmte Volks- 
«lassen, bestimmte Berufszweige dadurch berührt werden; Mangel an 
Beschäftigung, eine grosse Zahl von Arbeitslosen hat sich, abgesehen 
von den erwähnten, vereinzelten Fällen in Deutschland auf dem 
Lande in dem letzten halben Jahrhundert kaum vereinzelt, geschweige 
denn allgemeiner gezeigt; wohl dagegen in den Städten, aber auch 
hier nur in einzelnen Gewerbszweigen, selten im Sommer, öfter im 
Winter, und da nur auf verhältnismässig kurze Zeit beschränkt. 
Länger dauernde Arbeitslosigkeit in weiten Schichten der Bevölkerung 
liegt bei näherer Betrachtung durchaus nicht vor, und dahin gehende 
Behauptungen sozialdemokratischer Führer sind völlig unbegründet, 
Die Gegenwart ist mit so bedeutenden Hilfsmitteln aller Art aus- 
gerüstet, dass sie einzelne auftretende Störungen in verhältnismässig 
kurzer Zeit zu überwinden vermag. Bei eintretenden Stockungen ist 
der Mensch unendlich erfinderisch, in kurzer Zeit neue Bahnen zu er- 
öffnen, auf denen Arbeitsgelegenheit und Verdienst gefunden werden 
kann. Damit haben die Schrecken der Uebervölkerung allerdings er- 
heblich abgenommen, wenn wir auch nicht zugeben können, dass der 
Zustand überhaupt nicht mehr eintreten kann. 
8 86. 
Die natürliche Tendenz der Volksvermehrung. 
Gerland, Ueber das Aussterben der Naturvölker. 1861. 
Knapp, Darwin und die Sozialwissenschaften. Jahrb. f. Nat.-Oek., Bd, XVII; 
sbenda /okhn, Bevölkerungsgesetz, N. F., Bd. II. 
Ch. Darwin, Entstehung der Arten. 1859. 
Ders., Die Abstammung des Menschen und die geschl. Zuchtwahl. Stutt- 
rt 1871. 
Robert Malthus, An essay on the prineiple of population 1798, übersetzt von 
Hegewisch, Altona 1807 und Stöpel, 2, Aufl. Berlin 1900. 
Während man in den früheren Jahrhunderten, so lange die Be- 
völkerung in Europa nur-eine sehr spärliche Dichtigkeit zeigte, eine 
schnelle Volksvermehrung für im höchsten Masse wünschenswert hielt, 
um die Arbeits- und Wehrkraft zu vergrössern, ist dann, besonders 
im Beginne des letzten Jahrhunderts und in der neueren Zeit ein 
wesentlicher Umschwung in der Auffassung eingetreten. Sie ist aus 
einer optimistischen eine mehr pessimistische geworden, und dies ist 
auf zwei Männer zurückzuführen, die sich in der Wissenschaft einen 
Malthus und dauernden Namen ‚errungen haben: d. s. Robert Malthus und 
Darwin. Charles Darwin, die hier in Verbindung mit einander genannt wer- 
den müssen, Gesteht doch Darwin selbst ausdrücklich zu, dass er auf 
seine fruchtbringende Hypothese über die natürliche Zuchtwahl und 
die Entstehung der Arten durch die Schriften des Malthus geführt 
sei. In betreff der Lehre des Letzteren verweisen wir auf die Geschichte 
der Nationalökonomie im Grundriss I, 8 96 und fassen hier sofort zu- 
sammen, was von den Lehren beider Männer als richtig anzuerkennen 
und als dauernde Errungenschaft für die Wissenschaft anzusehen ist.
	        
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