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Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass nur 31 Arbeiter einen Lohn unter
2 M. erhalten. Es sind dies jugendliche Arbeiter zwischen 16 und 20 Jahren,
welche meistens bei den Maurern, im Hofe, in der Expedition u. s. w. mit leich
teren vVrbeiten beschäftigt sind. Weitaus die meisten Arbeiter und zwar 743,
also 85 j»Ct. von obigen 876 Arbeitern, erhalten einen Lohn von 2 M. 20 Pf. bis
3 M. 20 Pf. Berechnet man den Durchschnitt der Löhne nach den einzelnen Be
schäftigungen, so erhält
1. ein Arbeiter in der mechanischen Werksstätte täglich M. 3. 20 Pf.
2. ein Schlosser oder Heizer in den Fabrikräumen „ „ 3. 15 „
3. ein Arbeiter bei den Maurern „ 3. — „
4. „ „ bei dem Fuhrwesen „ 3. — „
5. r r> der Alizarinfabrik „ 2. 60 „
6. „ r der Anilinfabrik „ 2. 50 „
7. „ r in der Färberei, Expedition u. s. w. „ 2. 50 „
8. „ „ in dem Hofe « 2.50,
ISach diesen Zahlen könnte es scheinen, als seien die Arbeiter auf der Ali-
zarin-Fabrik besser bezahlt, als auf der Anilinfabrik. In Wirklichkeit ist dem
nicht so, indem die LohndilTerenz zur Zeit ihren Grund ansschliessllich in dem
Umstande hat, dass in dem letzten Jahre auf der Anilinfabrik verhältnissmässig
mehr Arbeiter aufgenommen wurden, wie auf der Alizarinfabrik: auf letzterer so
mit mehr ältere Arbeiter mit höherem Lohne waren, während die vielen frisch
eingetretenen Arbeiter auf der Anilinfabrik einen niederen Lohn beziehen und
dadurch den Durchschnittslohn etwas herabsetzen. Im grossen Ganzen sind die
Löhne für die entsprechende Altersklasse in beiden Fabriken vollkommen gleich.
Zu diesem Lohne treten nun noch monatliche und Jahres-Prämien hinzu, welche
sich bei tüchtigen, zuverlässigen Leuten bis zu M. 100 und darüljer per Jahr
erhöhen können. Solcher Prämien wurden im Jahre 1879 im Gesammtbetnig von
13600 M. ertheilt, und zwar erhielten:
5 Arbeiter Gralificationen von M. 100 und darüber.
69 r ^ „ 50—100
81 n »• Í? « 25—50
825 „ „ „ w 2—25
Rechnet man solche Prämien in die Lohnverhältnisse mit ein, so stellt sich
im Durchschnitt das directe jährliche Einkommen eines tüchtigen Arbeiters, wel
cher einige Jahre auf der Fabrik beschäftigt ist, auf ca. 1000 Mk., eine Bezah
lung, wie dieselbe im Verhältniss zu der Kürze der Arbeitszeit und der Unge-
lahrlichkeit der Beschäftigung in wenigen Fabriken den Arbeitern geboten wird.
Nimmt man hinzu, dass denselben keine Beiträge für die Krankenkasse abge
zogen und für das Mittagsessen nur pro Tag 20 Pf. angerechnet werden, so muss
obige Summe den Verhältnissen hiesiger Gegend entsprechend als vollständig
ausreichend für die Ernährung einer Familie bezeichnet werden.
3) Die Woliiuiiigsverhiiltnisse der Arbeiter.
Was die Wohnungsvcrhältuisse der Arbeiter betrifft, so giebt liicrüber die
schon früher erwähnj^e Tabelle D 7. Aufschluss.
Nach ihr besitzen 159 Arbeiter eigne Wohnungen, 408 wohnen in Miethe,