Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Störungen und Hemmungen der Wirtschaft. tot 
Einhaltung dieser Vereinbarungen wird auf- schärfste bewacht; 
auf den Bruch sind hohe Konventionalstrafen gesetzt, und auch 
direkte Kontrollen erfolgen. ■ 
Es ist natürlich Bedingung, wenn man auf diese weise zum 
erwünschten Ziele kommen will, daß nicht außerhalb des Kartells 
andere werke stehen, die, ohne auf diese Vereinbarungen Rück 
sicht zu nehmen, dem Publikum billigere Preise machen. Gegen 
diese „outsider" hilft man sich vor allem mit dem bewährten 
Mittel der Preisunterbietung. 
Aber noch auf einem anderen Wege kann ein Kartell fickt die 
Alleinherrschaft sichern. Ls kann nämlich diejenigen seiner Ab 
nehmer schlechter behandeln, die nicht allein von ihm, 'sondern 
auch von Konkurrenten außerhalb des Kartells kaufen, ja cs kann 
sogar diese Kunden gänzlich boykottieren. 
Der Abnehmer, der Käufer ist es ja überhaupt, auf den es den 
Kartellen naturgemäß in letzter Linie ankommt. Daß hier nicht 
jedes Kartell mit der wünschenswerten Mäßigung verfährt, ist 
allgemein bekannt. Besonders heftig sind die Klagen vom na 
tional-wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus. Deut Kartellen kommt 
es darauf an, ihre Produktion stetig zit erhalten; sie pflegen des 
halb mit besonderer Sorgfalt die Beziehungen zu den Kunden im 
Ausland. Der Kunden im Inland sind sie gewölmlich ziemlich 
sicher, da meist ihr Produkt durch Zölle geschützt ist. Anders im 
Auslande, wo das Kartell vielleicht selbst Zoll bezahlen muß und 
wo es mit anderen Ländern konkurrieren muß. Kamentlich gegen 
die Kohlen- und Lisenkartelle sind in dieser Beziehung immer 
wieder heftige vorwürfe erhoben wordne. 
Die Stärke der Kartelle liegt darin, daß verhältnismäßig wenig 
Produzenten zu vereinigen sind; weitigstens sind nur dort die 
Kartelle groß geworden, wo diese Voraussetzung gegeben war. 
Demgegenüber sind die Abnehmer, die Konsumenten unzählige, 
wer braucht nicht alles Kohlen; eigentlich jeder Mensch und ga'tz 
gewiß jede Fabrik. Und mit dem Eisen steht es ähnlich. Da ist 
denn eine gemeinsame Gegenwirkung gegen das Kartell, nicht 
leicht zustande zu bringen. Immerhin kommen solche Ver 
einigungen von Verbrauchern, von Konsumenten (Gegen- 
Kartelle) schon vor. So haben sich z. B die Detailgeschäfte der 
Tertilindustrie zu verbänden zusammengeschlossn die schon statt 
liche Erfolge aufzuweisen haben. Es wäre' sehr wohl denkbar, 
daß hier ein ähnliches Verhältnis sich bilden könnte, wie zwischen
	        
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