fullscreen: Geburtenrückgang u. Sozialreform

D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges 179 
berechtigte Wünicdhe zu erfüllen (Jiehe oben S. 137 f), aber es it doc) eben]o 
furzfichtig wie unfozial, über Mangel an Arbeitern zu Hagen und dabei 
der Anfiedlung von Familien Schwierigkeiten zu bereiten. Auch die Land- 
gemeinden Könnten id) um die Landwirtidhaft wie auch fozial verdient 
machen, wenn fie idr Semeindeland (Allmende) durch Ankauf oder 
au Anpacdhtung von Kirchenland oder Jonft erhältlien Grundftüiden ver- 
meyren und in Barzellen als BachHtland, genügend groß, um eine 
Ruh und Schweine darruf zu Halten, an Landarbeiter gegen günftige 
Bedingungen ablajfen mürden. 
Endlich obliegt noch eine bedeutjame Aufgabe bei der ländlidhen Anfiedlung 
der Ländlidgen Wohlfahrtspflege.) Gier ift noch viel zu tun 
in der Verbefjerung der SGefundhHeitspflege, der KXrankenfürfjorge, der 
Wöchnerinnenverforgung. Die Häusliche Ausbildung: Kochen, Kranken und 
Säuglingspflege, rechte Pflege und Ausnüßung des Gartens ufmw. it meiftens 
ehr dürftig. Oft fehlen Wafjerleitungen, Badeeinridhtungen, Bemwahr]hulen 
um. Die Schuleinridhtungen und wege jind mangelhaft. Auch das geiftig- 
gefellige Leben der Dorfbewohner bedarf der Anregung und Bereicherung 
durch Bibliotheken, Vorträge; die Dorfjugend muß in Vereinen gejammelt 
und geiftig gehoben werden. Dabei muß auch der Freude, der Erholung und 
den berechtigten Vergnügungen und Fejten des Landes (3. B. Erntefelt) 
ihr Anteil werden. In der äußern Seftaltung des Dorfes, der Kirche und 
des Kirdhhofes kann auch der Schönheit und dem befondern Charakter der 
Randfhaft mehr Nednung getragen werden, Kurz, e8 gilt dem, was die 
Natur dem Dorfe an Vorzügen gefdenkt Hat, auch diejenigen Gaben der 
itädtijcdhen Kultur, die von Dauer und Wert find, in reidherm Maße beizut- 
Higen, um fo das Dorfleben gefunder, angenehmer und reicher zu geftalten 
— zur Freude für Eltern und Kinder. 
XIX. SBerbejjerung der Säuglingsfürfjorge 
Der Geburtenrüdgang hat zum guten Teil einen Ausgleich gefunden 
durch die geminderte Säuglingsiterblichkeit. Sie fank in Deutichland auf 
je 100 Lebendgeborene 
1901 1905 1910 1913 1914 
von 20,7 auf 20,5 16,2 15,1 16,4 
Die Sahre 1911 (mit 19,2 Prozent) und 1914 waren befonders ungünitig, erfteres 
wegen der heißen Sommermonate, leßteres unter der Einwirkung des Krieges. 
Während früher die Landgemeinden am günftigjten {tanden, Haben heute 
die Städte den Unterfchied vielfach überholt, inZbefondere die Großftädte. 
Die Säuglingsjterblidhfeit fiel 3. B. in den SXahren von 1904/05 bis 1912/13 im 
den Stäbten: ?) 
: » Sohnrey, Wegweifer für ländlide Wohlfahrts- und GHeimatpflege, Berlin 
1908, Deutide Zandbuchhandlung. 2%) Statijtit Bd, 266, 47.
	        
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