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stellten, sowohl der Tradition wie dem Gesetz nach, und
als übereinstimmend mit den „natürlichen Gesetzen“ der
Gesellschaft.
Keine Verurteilung suchte Astor oder seinesgleichen
heim für die Profite, die sie aus den grauenhaften Ernten
von Krankheit und Tod erhoben. Als William B. Astor 1875
starb, 83 Jahre alt, in seinem braunen Palast an der
35. Straße und der Fünften Avenue, war sein Begräbnis
unter der Aristokratie der Stadt ein Ereignis; die Zei-
tungen publizierten die ausschweifendsten Anhimmlungen,
und die hundert Millionen, die er (schätzungsweise) hinter-
ließ, wurden dem ganzen Lande als leuchtendes, unver-
gängliches Vorbild eines Vermögens hingestellt, das man
durch Strebsamkeit, Unternehmungsgeist, Beharrlichkeit
und Geschicklichkeit erreichen könne.
Verwandtschaftlicher Reichtum
Dieses Vermögen ging in der Hauptsache zu beinahe
gleichen Teilen auf seine Söhne John Jacob jun. und William
über. Die Sprößlinge waren durch Erbschaften aus verschie-
denen Familienquellen und durch Heirat mit anderen
reichen Familien oder durch beides bereits reich. Da sie
außerdem die unermeßlichen Reichtümer ihres Vaters
hinter sich hatten, hatten sie sich äußerst günstige Gelegen-
heiten zunutze machen können, um auf eigene Rechnung
Reichtümer zu sammeln.
Im Jahre 1853 hatte William Astor eine aus der Schermer-
horn-Familie geheiratet. Die Schermerhorns waren mächtige
New Yorker Grundbesitzer; und wenn sie auch nicht ganz
auf demselben Gipfel des Reichtums standen wie die Astors,
so waren sie auf jeden Fall reich genug. Die ungeheuer
wertvollen Areale Landes, die damals den Schermerhorns
gehörten und noch jetzt in ihrem Besitz sind, waren zum
großen Teil mit genau denselben Mitteln erworben, wie die
Astors, die Goelets, die Rhinelanders und andere hervor-
ragende Grundbesitzerfamilien sie gebraucht hatten.
Die Politik, die die reichen Männer und besonders auch
die reichen Frauen von Anfang an befolgten, war die Heirat