64
seinen schlesischen Dialekt ju? verleugnen. Wir drückten
uns zum Abschied herzlich die Hand und trafen für den
folgenden Tag eine Verabredung zu gemeinsamem Essen.
Als ich ihn am anderen Mittag abholte, fand ich ihn
in jener eigentümlichen, wie mir scheinen will, recht
unbequemen Lage, wie sie die Amerikaner besonders
lieben. Er hatte sich auf das Sofa ausgestreckt, der Kopf
ruhte auf dem tiefen Sitze, während er die überge
schlagenen Beine gegen den Tisch stemmte, so daß die Füße
höher lagen als der Kopf. In der Hand hielt er einen
Blaustift und vor sich auf dem rechten Schenkel einige
beschriebene Oktavblätter. Es war das Konzept seiner
Rede, die er am anderen Tage halten wollte, und die
er nun noch einmal memorierte und verbesserte. Er
sprang auf, um mich zu begrüßen. Ich wunderte mich
über die bei einem Gelehrten auffällige Eleganz seines
Morgenanzugs. Derartiges hatte ich bisher nur auf
der Bühne von Vornehmheit heuchelnden Schauspielern
gesehen. Daß er auf sein Äußeres großen Wert legte,
war mir schon am Tage vorher aufgefallen. Er kleidete
sich wie jemand, der bei jeder neuen Bestellung mit
seinem Schneider eine längere Unterredung hat; aber
er war tadellos gekleidet, mit ruhiger Einfachheit, etwa
wie ein Attache. Wir waren sogleich wieder in eifriger
Unterhaltung. Als er auf den ihm bevorstehenden Pro
zeß zu sprechen kam, geriet er in starke Erregung. Am
meisten ärgerte er sich über die Motivierung des hohen
Strafmaßes. Daß der Staatsprokurator ihn nicht für
aufrichtig hielt, das konnte er ihm nicht vergeben! „Ich
werde selbst meine Verteidigung führen," sagte er mir,
„und der Herr Staatsprokurator soll seine Freude an