84
Capitel TIL
die einzelnen Güter oder Güterciuantitäten werden „verbraucht“
resp. „abgenutzt“, oder „reproducirt“, oder
wechseln den Besitzer. Bas Kapital selbst dagegen
Aufzählung der verschiedenen „Güterklassen, in welchen das Kapital
eines Landes vornehmlich bestehe“, gar keinen Sinn hat.
Man kann wohl die in einem Lande vorhandenen Kapitalien summiren,
oder wenigstens eine Wahrscheinlichkeitsberechnung
über den Gesammtbetrag derselben an stellen, aber man kann niemals
auf Grund des Augenscheines gewissermassen ein Inventar
darüber aufnehmen, weil eben der Werth nichts (unmittelbar)
sichtbares oder greifbares ist.
Ebenso beruht auch der bekannte Streit, ob Grundstücke als
„Kapitalien“ zu betrachten seien oder nicht, nur auf einer von
vornherein falsch gestellten Frage. Grundstücke sind weder „Kapitalien“,
noch „keine Kapitalien“, sondern einfach eine Kapitalanlage,
wenigstens da, wo der Grund und Boden nicht „gebunden*,
sondern eine Waare ist, oder einen Preis hat. In England pflegt
dies letztere nur zum geringsten Theil der Fall zu sein. Und
daraus erklärt es sich auch, warum die englische Theorie den
Grund und Boden nicht als eine Kapitalanlage behandelt, sondern
vielmehr dem Kapital als eine eigene Erwerbs- oder Ertragsquelle
gegenübergestellt hat, eine Auffassung, die denn auch die meisten
deutschen Oekonomisten fehlerhafterweise adoptirt haben. Es hängt
damit auch die bekannte Grundrententheorie Ricardos zusammen,
denn der Fehler an dieser Theorie besteht in letzter Instanz einfach
darin, dass sie den Kapitalwerth des Grund und Bodens oder
m. a. W. die simple Thatsache ganz ausser Acht lässt, dass, wenn
der fruchtbarere Boden eine grössere Einnahme liefert als der unfruchtbarere,
der erstere dem entsprechend auch verhältnissmässig
theurer ist als der letztere.