Full text : Klemens Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

VI

Vorwort.

Streben  nach  Gewinn  die  höheren  Ideale  nicht  vergifst  und  auch  den  auf
der  tiefsten  Stufe  der  Kultur  stehenden  Völkern  die  Segnungen  höherer
Kultur  bringen  will,  ist  es,  der  uns  dafür  Bürgschaft  leistet,  dais  unsere
Kolonien  sich  bald  zu  verbrauchsfáhigen  Ländern  entwickeln  werden,  die
einen  Teil  der  deutschen  Überproduktion  aufzunehmen  bestimmt  sind.
Die  gewaltige  Machtentfaltung  des  Deutschen  Reichs,  die  Errichtung
des  orientalischen  Seminars,  der  erleichterte  und  schnellere  Verkehr  nach
den  überseeischen  Ländern,  nicht  minder  die  dort  veranstalteten  Ausstellungen ­
  haben  dazu  beigetragen,  den  deutschen  Handel  zu  heben,  den
deutschen  Waren  im  Auslande  immer  mehr  Geltung  zu  verschaffen  und
uns  von  dem  Zwischenhandel  Englands  mehr  und  mehr  unabhängig  zu
machen.
Bei  Berücksichtigung  aller  dieser  Verhältnisse  erscheint  die  genaue
Kenntnis  der  Waren  und  der  bei  dem  Handel  damit  in  Betracht  kommenden ­
  Umstände  jetzt  in  viel  höherem  Grade  notwendig  als  früher;  die  Zahl
der  verschiedenen  Artikel,  die  in  den  Handel  gebracht  werden,  ist  eine
bedeutend  gröfsere  geworden,  und  dies  gilt  nicht  nur  von  den  Erzeugnissen ­
  unserer  eigenen  Industrie  und  Gewerbe,  sondern  auch  von  den  importierten ­
  Waren  und  den  Rohprodukten  ferner  Länder.  Es  mufste  also
bei  Bearbeitung  dieser  neuen  Auflage  nicht  allein  darauf  Rücksicht  genommen ­
  werden,  dais  die  in  der  vorigen  Auflage  vorhandenen  Artikel  zu
ergänzen  und  zu  vervollständigen  waren,  sondern  es  lag  auch  die  Notwendigkeit ­
  vor,  die  Besprechung  aller  wichtigeren  neu  bekannt  gewordenen
Waren  in  das  Buch  auizunehmen.  Da  nun  der  ursprüngliche  Charakter
des  letzteren  hinsichtlich  der  gröfseren  Artikel,  die  in  einer  nicht  zu
knappen,  angenehm  lesbaren  Form  abgeiaist  sind,  gewahrt  bleiben,  das
Buch  aber  auch  nicht  zu  dickleibig  und  dadurch  zu  teuer  werden  sollte,  so
war  die  Aufgabe  für  den  Herausgeber,  eine  allen  Wünschen  entsprechende.
Arbeit  zu  liefern,  gewils  keine  leichte,  ln  der  Auswahl  der  neu  hinzukommenden ­
  Artikel,  sowie  in  der  Ausführlichkeit  ihrer  Bearbeitung  mulsten
daher  gewisse  Grenzen  gezogen  werden.  Die  gröiste  Zahl  von  den  neu
aufgenommenen  Artikeln  kommt  auf  die  Chemikalien  und  Farben,  nächstdem
  auf  die  Drogen;  es  ist  dies  aber  auch  ganz  selbstverständlich,  denn
es  vergeht  fast  kein  Tag,  an  welchem  nicht  irgend  eine  Entdeckung  aut
dem  ausgedehnten  Gebiete  der  chemischen  Wissenschaft  gemacht  wird  und
die  man  auch  sogleich  praktisch  zu  verwerten  sucht,  sei  es  in  der  Heilkunde, ­
  in  der  Färberei  oder  zu  sonst  welchen  Zwecken.  Die  Folge  davon
ist,  dais  auf  den  Preislisten  eine  Menge  neuer  Namen  auftauchen,  über
welche  ein  Warenlexikon  Auskunft  geben  soll,  und  obschon  oft  viele  der-
            
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