100 Verhältnis von Kapital und Arbeit
tief eingewurzelten, gehässigen Schlagworte von der „Begehr-
lichkeit der Arbeiter“ und der „Profitgier der Industrie“ bil-
den: jeder, Arbeiter wie Unternehmer, hat nicht nur das Recht,
sondern sogar die Pflicht, seine wirtschaftliche Position so
günstig wie nur möglich zu gestalten. Der Stolz, mit dem ein
für das kapitalistische Wirtschaftssystem besonders begeister-
ter Nationalökonom sagt: „Die einzige wirtschaftliche Revo-
lution, die gegenwärtig im Zuge ist, geht in den Vereinigten
Staaten vor sich. Es ist die Revolution, die die Unterschiede
zwischen Arbeiter und Kapitalisten dadurch verwischt, daß sie
die Arbeiter zu ihren eigenen Kapitalisten macht und die meisten
Kapitalisten zwingt, in einer oder der anderen Weise Arbeiter
zu werden, da nicht viele von ihnen in der Lage sein werden,
allein von den Zinsen ihres Kapitals zu leben. Dies ist etwas
Neues in der Geschichte der Welt“ 157, dieser Stolz ist be-
rechtigter, als er glaubt; denn bei der Schilderung des sich
hier Anbahnenden stützt er sich fast nur auf die Zunahme
der den Arbeitern gehörigen Banken, auf das Anwachsen
ihrer Sparguthaben und ihres Aktienbesitzes, während ge-
zeigt werden konnte, daß diese „Revolution“ eine viel breitere
Grundlage besitzt und daß vor allem der Wirtschaftsgeist
im Wandel begriffen ist. Kaum mehr als ein Jahrzehnt liegen
die Anfänge jenes Neuen zurück, aber mit jenem frohen
Optimismus, der aller Schwierigkeiten, auch der unüber-
windlich scheinenden, nicht achtet, mit dem Glauben, das
soziale Problem lösen zu können, geht man in den Vereinigten
Staaten an die Arbeit, Sollte sich wirklich, wenn auch nur im