fullscreen: Die Social-Demokratie

Parlamentarismus 
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„Lie siegen werden! Es giebt kein anderes für Sie!" Für 
den deutschen Reichstag bildet bereits das allgemeine und 
direkte Wahlrecht den gesetzlichen Wahlmodus. Bei der wich- 
tigsten gesetzgebenden Körperschaft hat somit die Social-Demo- 
kratie die von Laffalle empfohlene Waffe in der Hand. Bei 
jeder Reichstags wähl entfaltet sie auch die rührigste und aus 
gedehnteste agitatorische Thätigkeit, um möglichst vielen ihrer 
Genoffen ein Reichstagsmandat zu verschaffen. Gegen eine 
Theilnahme von Vertretern des Socialismas an der deutschen 
Gesetzgebung haben wir nicht das geringste Bedenken. Wir 
wünschen vielmehr, daß die social-demokratische Partei, so 
lange sie existirt, stets Gelegenheit hat, auch auf der Tribüne 
des Reichstags sich öffentlich zu zeigen. Ihr offenes 
Hervortreten halten wir für weniger gefährlich, als die ge- 
Heime Agitation. Das Auftreten der Social-Demokraten im 
deutschen Reichstag kann nur die zu einer Bekämpfung der 
socialistischen Ideen nöthige allgemeine Kenntniß derselben för 
dern. Je gründlicher und je allgemeiner man einen Feind 
kennt, desto mehr wird man auf seiner Hut sein und sich 
nicht in Sorglosigkeit einwiegen, desto leichter wird man auch 
im Stande sein, die rechten Maßnahmen gegen ihn zu treffen. 
Sogar bei Berathung der die sociale Frage betreffenden Ge 
setze scheint uns die Anwesenheit und Theilnahme von socia 
listischen Abgeordneten eher nützlich als hemmend zu sein. 
An einen Sieg für den Socialismus ist hierbei absolut nicht 
zu denken. Hierzu würde vor allen Dingen gehören, daß 
die social-demokratische Partei im gesetzgebenden Körper die 
Majorität besitzt. Seitdem dieser Partei die Waffe des all 
gemeinen und direkten Wahlrechts in die Hand gegeben ist, 
ist es ihr in Frankreich wie in Deutschland wohl gelungen, 
beim Wahlkampf einige Siege zu erfechten; zur Majorität 
wird sie es nie bringen können, selbst wenn die gesammte
	        
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