92
schäften, die zwar Familien, aber keine Stämme bilden, und die
Tatsachen lehren, daß der Grund auch hier in der Unzulänglich
keit der vorhandenen Nahrungsmittel liegt.“ Man müßte eigent
lich hinzufügen, daß die Nahrungsmittel, die die Wilden
sammeln, für eine dichtere Bevölkerung, für größere
Gruppen ungenügend sind. Darauf haben wir aber schon in
dem Kapitel hingewiesen, wo wir über die Wirtschaftssysteme
sprachen. Hildebrand führt dann noch weitere Beispiele solcher
„Sammelvölker“ an. So zitiert er Hector te Vaux über die
Indianer: „The Indians of the thick woods of neccessity, from the
scarcity of animals, camp only in small numbers, while the
Indians of the Prairies are invariably to be found in large bodies,
the buffalo supplying them with food, clothing, fuel and all the
requirements of their simple mode of life“. Martins (Ethno
graphie Amerikas, S. 53) sagt: „Dort (nördlich vom Amazonen
strom) gibt es Völkerschaften, welche nur aus einer oder aus
wenigen Familien bestehen, vollkommen abgeschnitten von aller
Gemeinschaft mit den Nachbarn . . .“ Bei den Buschmännern
„besteht gewöhnlich,“ sagt Lichtenstein (Beise im südl. Afrika,
S. 77, Berlin 1812), „eine Horde nur aus den Gliedern einer
einzigen Familie“. Als ursprüngliche Form der Wirtschafts
organisation erscheint also eine isolierte Wirtschaft einer
kleinen Gruppe, die eine Familie oder Horde darstellt, und die
nur die unentbehrlichsten Bedürfnisse befriedigt. Aber auch die
auf einer höheren Kulturstufe stehenden Völker müssen oft eine
isolierte Wirtschaft organisieren, die ihre Bedürfnisse deckt. So
wohnen die Kolonisten in den neuen Ländern oft jahrelang iso
liert voneinander und müssen ihre ziemlich komplizierten Be
dürfnisse nach demselben Prinzip der Wirtschaftsorganisation
befriedigen, wie die „Wilden“. Die Wirtschaft muß ihre Pro
duktionskräfte so einteilen, daß sie ohne fremde Hilfe, in ihrer
eigenen Wirtschaft, all ihre Bedürfnisse decken kann.
Der Grad der Isolierung kann natürlich verschieden sein. Die
europäischen Völker treten in die Geschichte ein, als sie schon die
Gemeindewirtschaft kannten, von der unten die Bede sein wird.
Aber auch sie lebten in der isolierten Wirtschaft.