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Üie Soziologie.
Linzelwirtschaft, d. h. die Wirkungen, die von den reinen lvirt-
schastszwecken aus und nur von diesen, auf die Gestaltung des
wirtschaftlichen Prozesses ausgeübt werden, unter der idali-
sierenden Annahme eines wirtschaftlichen Mustersubjekts. In
der Volkswirtschaft jedoch zeigt die Beobachtung, daß unter Um
ständen bei dem Zusammentreffen der Linzelwirtschosten die
Interessen sich kreuzen und daß im Kampfe der Stärkere siege,
wobei sich große Mächte entwickelten, die ganzen volksklassen ein
entscheidendes Übergewicht über die anderen verliehen. Das Ver
hältnis der Macht zur Wirtschaft, die Frage der Macht überhaupt
ist kein wirtschaftliches Problem mehr, sondern ein solches der
Gefellschaftstheorie, die damit eine der Voraussetzungen der Er
kenntnis der Volkswirtschaft wird.
Diese Anerkennung der Bedeutung der Soziologie (mit
diesem Namen nennen wir die Gesellschaftstheorie gewöhnlich)
durch v. Wieser ist jedoch noch beträchtlich zu erweitern.' Nicht
nur das Problem der Macht, sondern eine ganze Reihe weitere
rein gesellschaftliche Vorgänge 'wirken auf die Wirtschaft entschei
dend ein. Tatsächlich enthalten die meisten wirtschaftlichen Unter
suchungen Einsprengsel soziologischer Art, ohne daß dies klar zum
Bewußtsein und noch weniger zum Ausdruck kommt. Line syste
matische Durchleuchtung der wirtschaftlichen Vorgänge vom Stand
punkte der Soziologie gehört zu den dringendsten Aufgaben der
Wissenschaft.
Diese kurz von uns skizzierten Gedankengänge eines unserer
hervorragendsten Theoretikers laufen darauf hinaus, nicht dis
Alleinherrschaft einer Methode zu proklamieren, sondern den
Herrschaftsbereich der verschiedenen Methoden abzugrenzen. Ls
ist jetzt wohl die überwiegende Meinung der Forscher auf unserem
Gebiete, der M a x w e b er folgendermaßen Ausdruck gab: „A u f
dem Gebiete der Methodik wird man sich im
Bereiche unserer Disziplin mehr an den Ge
danken gewöhnen müssen: daß letztlich alle
Wege wieder zusammenführen." Die Anwendung
der einen oder anderen Methode ist teils Sache des jeweiligen
Problems, teils der besonderen Veranlagung des Forschers. Ls
sind schließlich Grundanlagen der menschlichen Natur,'die den
einen vom Gedanken zur Erscheinung, den anderen von der Er
scheinung zum Gedanken führen. Das Feld der Tätigkeit ist noch
so unabsehbar, daß für sie alle Raum ist. ■