452 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Naturgemäß fielen die Augen der Soester auf Cleve. Und
schon standen hinter Cleve größere Mächte. Erzbischof Dietrich
hatte sich im Streit zwischen dem Basler Konzil und Eugen IV.
auf Seite des Konzils gestellt. Der Herzog von Cleve stand
auf seiten Eugens. Dietrich war wiederholt dem Burgunder
im Westen unbequem gewesen. Adolf von Cleve war der
Schwager Herzog Philipps, der seinerseits ebenfalls dem Papste
Eugen anhing.
Cleve nahm die Bitten Soests freundlich auf: darauf
sagten Adolf von Cleve am 16. Juni und Soest am 25. Juni
1444 dem Kölner Erzbischof Fehde an, und Soest huldigte dem
Clever Herzog als Erbherrn. Und nun erhob sich ein wilder
und verwüstender Krieg um Soest, in den allmählich fast alle
größeren westfälischen Städte sowie die westfälischen Adligen
hineingezogen wurden, ohne daß doch eine Lösung der ver—
worrenen Verhältnisse in Aussicht schien. Auch die Thatsache,
daß Papst Eugen aus seiner Zurückhaltung herausging und
den Erzbischof Dietrich bannte und absetzte, brachte keine
Klärung; wir wissen, daß der Papst die Absetzung vor den
Bedenken der Kurfürsten wieder zurücknehmen mußte.
Da machte schließlich Dietrich einen äußersten Versuch, eine
ihm günstige Wendung herbeizuführen. Mit Sachsen befreundet,
bat er dies um kriegerische Hilfe gegen Soest. In der That
erschien im Sommer 1447 von Sachsen her ein Heer von
etwa 15000 Mann, darunter schrecklich plünderndes cechisches
Gesindel. In der Nacht vom 20. zum 21. Juli wagte es den
Sturm auf die Stadt — erfolglos. Das Heer mußte in voller
Auflösung nach seiner Heimat zurückweichen; Köln hatte nach den
gewaltigsten finanziellen Anstrengungen den Streit verloren,
und es hat sich in den folgenden Schiedsprüchen daran ge⸗
wöhnen müssen, Soest aufzugeben, wenn es auch niemals aus—
drücklich darauf verzichtet hat.
Wichtiger als diese Einzelfrage war die Thatsache, daß
Köln als Großmacht des Niederrheins nunmehr völlig zu
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