Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Konsumtion.

würdigt  und  die  dadurch  herbeigeführten  Nachtheile  dagegen  abwägt,  wird  man
nicht  davon  überrascht  sein,  daß  der  Reingewinn,  den  die  Menschheit  aus  den
erstem  gezogen  hat,  nicht  so  groß  ist,  als  es  auf  den  ersten  Blick  den  Anschein ­
  hat.
Es  kommt  vor,  daß  eine  theilweise  Kostenersparniß  den  Anschein  erweckt,
als  ob  eine  beträchtliche  Gesamtersparniß  vorläge.  Sieht  man  aber  genauer
zu,  so  stellt  sich  heraus,  daß  der  betreffende  Theil  im  Bergleich  zu  den  Gesamtkosten ­
  gar  nicht  ins  Gewicht  fällt,  daß  also  auch  die  bedeutendsten
Ersparniffe  daran  nicht  ausschlaggebend  sind.  Wenn  z.  B.  nur  ein  Zwanzigstel ­
  des  Brodpreises  auf  Rechnung  der  Ausgaben  für  das  Mahlen  des
Korns  entfällt,  so  vermag  auch  die  größte  Ersparniß  bei  diesem  Proceß  den
Brodpreis  nicht  um  5%  zu  ermäßigen.  Sodann  können  auch  die  weitest
gehenden  Verbesserungen  in  den  Productionsmitteln  der  großen  Bevölkerungsmasse ­
  nur  wenig  Vortheil  bringen,  wenn  die  dadurch  erzeugten  Gegenstände
in  dem  Budget  der  kleinen  Leute  geringe  oder  fast  gar  keine  Bedeutung  besitzen. ­
  —  Wenn  sich  also  die  Kosten  von  Champagner,  Schildkrötensuppe,
Lawntennisraketen,  Stahlfedern,  Zimt  u.  dgl.  Dingen  auch  um  mehr  als
ein  Hundertstel  vermindern,  so  wird  sich  die  Ersparniß  in  den  GesamtlUlsgaben
  eines  Arbeiters  auf  unendlich  weniger  als  ein  Procent  stellen.  Die
großartigsten  Fortschritte  sind  auf  dem  Gebiete  der  Communicationsmittel  infolge ­
  der  Erfindung  der  Dampfschiffe,  der  Eisenbahnen,  der  Telegraphen  u.  s.  w.
bethätigt  worden.  Daraus  erwachsen  allerdings  der  Production  die  größten
Vortheile.  Doch  haben  diese  Verbefferungen  im  Communicationswesen  mehr
die  Folge  gehabt,  daß  Menschen  nunmehr  in  großer  Anzahl  an  Orten  beisammen ­
  wohnen,  wo  solches  früher  bei  der  Schwierigkeit  der  Approvisionirung
nicht  möglich  war,  und  daß  man  sich  aus  weiter  Ferne  reichlich  mit  Lebensmitteln ­
  versehen  kann,  als  daß  dadurch  die  Ernährung  selbst  eine  bessere
geworden  wäre.  Und  dann  kommt,  wie  wir  schon  gesehen,  noch  etwas  anderes
in  Betracht.  Diese  Erfindungen  haben  zu  mißleiteter  Productiou  und  Confilmtion
  angetrieben  und  besonders  den  Anlaß  zu  jener  Concentration  der
Bevölkerung  in  den  großen  Städten  gegeben,  die,  namentlich  im  Vergleich  zu
den  Zuständen  der  Vergangenheit,  einen  der  größten  Uebelstände  unserer  Zeit
bildet.  So  kommt  es  denn,  daß  man  bei  Erwägung  der  Folgen,  welche  die
großartigen  Erfindungen  des  18.  und  des  19.  Jahrhunderts  gehabt  haben,
auch  die  dadurch  herbeigeführten  Verluste  in  Betracht  ziehen  und  diese  von
den  dadurch  gewährten  Vortheilen  in  Abrechnung  bringen  muß.
Ferner  ist  durch  eine  Ironie  des  Schicksals  die  Chemie  nicht  nur  zur  Förderung ­
  der  Production,  sondern  auch  als  ein  Mittel  zu  Verfälschungen  mißbraucht ­
  worden.  Was  aber  die  mechanischen  Wiffenschaften  anlangt,  so  haben
sie  ihre  größten  Triumphe  bei  der  Herstellung  von  Werkzeugen  erzielt,  die  der
            
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