Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

10.  Kap.  Die  verschiedenen  Zweige  der  Consumtion.

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Zehntes  Kapitel.
Die  verschiedenen  Zweige  der  Consumtion.
Von  den  Gütern,  die  der  Befriedigung  unmittelbarer  persönlicher  Bedürfnisse ­
  gewidmet  sind,  haben  wir  zehn  Hauptarten  zu  unterscheiden:  Nahrung,
Wohnung,  Feuerung,  Kleidung,  Mobiliar  und  Hausrath,  ärztlichen  Beistand
und  Medicinen,  den  Aufwand  und  die  Mühen,  welche  die  Erziehung  erfordert,
l>ie  Ausgaben  und  Leistungen  für  die  Gottesverehrung,  die  der  Erholung  und
dem  Vergnügen  dienenden  Güter  und  die  Leistungen  für  den  Bestand  der
staatlichen  Ordnung  und  der  Rechtspflege.
I.  Zunächst  bedarf  der  Mensch  der  Nahrung.  Das  mühevolle  Suchen
nach  Nahrung  und  Waster  bildet  die  fast  unaufhörliche  Beschäftigung  der
armen  Eingebornen  in  der  wasserarmen  westlichen  Hälfte  Australiens,  und  selbst
ìņ  dem  so  überaus  hoch  cultivirten  Königreich  Sachsen  absorbirten  die  Ausüben ­
  für  Speise  und  Trank  um  die  Mitte  unseres  Jahrhunderts  in  den
leisten  Familien  wahrscheinlich  mehr  als  die  Hälfte  der  Gesamtausgaben.
Genaue  Berechnungen  sind  auf  diesem  Gebiete  mit  Schwierigkeiten  verbunden, ­
  weil  von  dem  Betrage  des  für  Speise  und  Trank  in  Rechnung  Gestellten ­
  alle  Ausgaben  für  Gastmähler,  die  unter  das  Kapitel  des  Aufwandes
şur  Erholungen  gehören,  sowie  für  den  nicht  zur  Erfrischung  und  Ernährung
uothwendigen  Trunk  in  Abzug  zu  bringen  sind.
Es  ist  nachweisbar,  daß  bei  gewissen  hoch  civilisirten  Völkern  das  Getreide
ìu  Verbindung  mit  gewissen  Fettsubstanzen,  mit  Milch  oder  mit  vegetabilischem
^el  die  Grundlage  der  Ernährung  gebildet  hat.  Aber  im  allgemeinen  besteht
hinsichtlich  der  landesüblichen  Nahrung  der  verschiedenen  Gegenden  und  der
einzelnen  Volksklassen  die  größte  Mannigfaltigkeit,  und  es  haben  sich  auf
diesem  Gebiete  im  Laufe  der  geschichtlichen  Entwicklung  die  tiefst  greifenden
Veränderungen  vollzogen.
So  werden  die  Milch  und  die  daraus  bereiteten  Speisen,  welche  eine
i°  große  Rolle  in  Europa  spielen,  von  den  mehr  denn  300  Millionen  Chinesen
ņìcht  berührt.  Das  Schweinefleisch,  welches  in  Europa  und  in  China  so  gern
ñenoffen  wird,  bildet  dagegen  für  alle  Juden  und  Mohammedaner  einen  Gegenstand ­
  des  Abscheues.  Das  Rindfleisch,  welches  man  in  Europa,  namentlich
ìņr  nördlichen,  so  sehr  bevorzugt,  übt  keinen  Reiz  auf  die  Chinesen  aus  und
ìvlrd  von  den  Hindus  verabscheut,  während  wir  Europäer  vor  dem  Fleisch
1> er  Pferde  und  Esel  Ekel  empfinden.  Europa  hat  sich  in  neuerer  Zeit  dem
Eonsum  von  Kaffee,  Thee,  Zucker  und  Kartoffeln  in  weitestem  Umfange  zugewandt, ­
  wogegen  früher  mehr  Milch-  und  Mehlspeisen  genossen  wurden.  Mähend ­
  der  Franzose  der  niedern  Klassen  besonders  für  Suppe  und  Gemüse
            
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