Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

170

II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

Politik  in  den  betreffenden  Ländern  herrschend  wäre,  da  die  erstem  die  in
den  letztem  erzeugten  Jndnstrieproducte  brauchen  können,  diese  aber  ganz
naturgemäß  ein  Vortheilhaftes  Absatzgebiet  für  die  Producte  jener  bilden.
Zweitens  aber  ist  es  eine  gleichfalls  unbestreitbare  Thatsache,  daß  der
aus  dem  Handel  erwachsende  Gewinn  durch  die  Transportkosten  und  die
sonstigen  Geschäftsspesen  gekürzt  wird,  daß  demnach  die  Tendenz  besteht,
die  Ausgaben  für  diese  letztem  zu  vermindern.  So  haben  denn  auch  alle
Verbesserungen  auf  dem  Gebiete  des  Verkehrswesens  den  Güterumlauf  gefördert, ­
  namentlich  sind  die  gewaltigen  Fortschritte,  die  sich  im  Laufe  des
19.  Jahrhunderts  im  Transportwesen  und  im  Nachrichtendienst  vollzogen
haben,  mit  einem  gewaltigen  Aufschwünge  des  Handels  zusammengefallen.
Zumal  die  Erfindung  des  Telegraphen  war  von  größter  Bedeutung.  Abgesehen ­
  von  dem  verhältnißmäßig  billigen  Transport  der  Güter  ist  noch
etwas  anderes  erforderlich,  damit  der  Handel  blühe:  er  muß  darauf  rechnen
können,  Abnehmer  zu  finden;  und  wie  leicht  kann  sich  der  Verkaufslustige
heutzutage  darüber  vergewissern,  ob  er  solche  finden  wird  oder  nicht.  Ein
Telegramm  genügt,  ihn  darüber  aufzuklären.  Infolge  der  Erfindung  des
Telegraphen  können  jetzt  die  Waren  auf  eine  gegebene  Ordre  von  einem
Ende  unseres  Erdballs  zum  andern  gesendet  werden,  ohne  daß  die  Gefahr
bestände,  daß  sie  möglicherweise  keine  Abnehmer  finden.
Indessen  darf  man  die  aus  dem  Handel  erwachsenden  Vortheile  nicht
überschätzen.  Atan  muß  sich  hüten,  denselben  als  Endzweck  und  nicht  nur
als  ein  Mittel  zur  Verwirklichung  des  Wohles  der  Menschen  zu  bctracksteu-Das
  Glück  eines  Landes  läßt  sich  nicht  nach  der  Höhe  der  Export-  und  der
Jmportziffern  bemessen.  Es  ist  ganz  richtig,  wenn  man  den  Handel  als  ein
Mittel  betrachtet,  dessen  sich  die  Vorsehung  zur  Verbreitung  des  wahren
Glaubens,  zur  Ueberwindung  von  Haß  und  Abneigung  zwischen  verschiedenen
Rassen  und  Nationalitäten  und  zur  Beseitigung  von  allerlei  Vorurtheilen  bedienen ­
  kann.  Aber  andererseits  darf  nicht  vergessen  werden,  daß  der  Handelsverkehr ­
  auch  tausendfach  mißbraucht  und  zur  Quelle  von  unberechenbaren
Leiden  geworden  ist.  Wie  viele  Kriege  zwischen  den  Völkern  sind  durch
Handelsrivalitäten  verursacht  worden,  und  wie  oft  hat  der  Handel  zu  Betrügereien, ­
  Erpressungen  und  allerlei  Schändlichkeiten  Anlaß  geboten,  die  zu
materieller  Schädigung  des  einen  Theils,  und  was  schlimmer  ist,  zum
lichen  Verderben  des  andern  führten!  Daraus  ergibt  sich  also  die  Roth'
Wendigkeit,  zwar  nicht  den  Handel  als  solchen  zu  bekämpfen,  wohl  aber
eifrig  dahin  zu  streben,  daß  den  damit  verbundenen  Mißbräuchen  Einhan
gethan  werde.
Wir  kommen  nun  zn  einem  sehr  delicaten  und  verwickelten  Gegenstaub'
zur  Beantwortung  der  Frage,  weshalb  so  und  so  viel  von  einem  bestimmten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.