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II. Buch. Der Güteraustausch.
wer genau bestimmen, wieviel sich ein solcher als Ersatz für alle Verdrießlich-
keiten in Rechnung zu bringen hat? Und wie kann man die gewöhnliche
Abnutzung von Maschinen und Werkzeugen bis auf das genaueste herauc-
tüfteln? Solcher kleinen Umstände und Verschiedenheiten finden sich bei der
complicirten Gesamtheit der Productionsbedingungen schier unzählige vor. Lo
ist es denn z. B. eine höchst mühselige Aufgabe, genau herauszubringen, wie
hoch sich die Herstellungskosten für ein Stück Sammet in einer jeden von
fünf Fabriken in Krefeld oder Lyon belaufen.
Man wolle auch noch die folgenden Momente im Auge behalten.
1. Die Periode, während welcher ein Unternehmer mit Verlust verkaufen
kann, ohne sich zur Aufgabe des Geschäftes genöthigt zu sehen, kann eine längere
oder eine kürzere sein, sich auf Wochen, Monate, ja auf Jahre erstrecken.
Es kommt eben alles auf die besondern Verhältnisse an. Je größer der Um
fang des Unternehmens ist, je mehr Aussicht besteht, daß es gelingen werde,
durch vorübergehenden billigen Verkauf für die Zukunft eine gefährliche Cou-
currenz fernzuhalten, desto länger kann mit Verlust gearbeitet werden.
2. Wenn jemand verschiedenartige Güter verkauft, muß allerdings der
gesamte Ertrag des Geschäftsbetriebes auf die Dauer die dem Verkäufer er
wachsenden Kosten decken, dagegen ist es nicht nothwendig, daß der Preis
eines jeden einzelnen Artikels die durch dessen Herstellung oder Herbei
schaffung verursachten Kosten hereinbringe. Wenn indessen die Kosten den
Verkaufspreis dauernd überschreiten und keine Aussicht vorhanden ist, daß
sich der letztere bald Vortheilhaft gestalten werde, so wird der Unternehmer
darauf bedacht sein, die Production des betreffenden Artikels einzuschränken
oder einzustellen, und dafür mehr von Gütern anderer Art zu erzeugen-
Doch ist dies bisweilen unmöglich, weil die Erzeugung gewisser Producte
von derjenigen anderer unzertrennlich ist. Es ist dies z. B. bezüglich der
Zucht resp. der Production von Schafen und Wolle, Honig und Wachs,
Hühnern und Eiern, Weizen und Stroh, Kohlengas und Coaks der Fall. Auch
ist da, wo die Cultur gewisser Bodenerzeugnisse rationell betrieben wird, ein
Fruchtwechsel nöthig und wird z. B. mit dem Bau von Korn und von
Rüben abgewechselt. So kann es denn geschehen, daß gewisse Gegenstände
Jahr für Jahr unter dem Betrage der Herstellungskosten verkauft werden,
und zwar nur aus dem Grunde, weil sie erzeugt werden müssen, wenn ma"
andere, einträgliche Güter produciren will. Dies kann sowohl in den Fällen,
in welchen die betreffenden Producte in einer untrennbaren natürlichen Ver
bindung miteinander stehen, als auch anderweitig vorkommen. Auch werden
bisweilen Gegenstände nur aus dem Grunde unter ihrem Werthe verkauf,
weil das Publikum dadurch auf andere Waren aufmerksam gemacht un
zu ihrem Kaufe angereizt wird. Ferner ereignet es sich bisweilen, daß