Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

176

II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

wer  genau  bestimmen,  wieviel  sich  ein  solcher  als  Ersatz  für  alle  Verdrießlichkeiten
  in  Rechnung  zu  bringen  hat?  Und  wie  kann  man  die  gewöhnliche
Abnutzung  von  Maschinen  und  Werkzeugen  bis  auf  das  genaueste  herauctüfteln?
  Solcher  kleinen  Umstände  und  Verschiedenheiten  finden  sich  bei  der
complicirten  Gesamtheit  der  Productionsbedingungen  schier  unzählige  vor.  Lo
ist  es  denn  z.  B.  eine  höchst  mühselige  Aufgabe,  genau  herauszubringen,  wie
hoch  sich  die  Herstellungskosten  für  ein  Stück  Sammet  in  einer  jeden  von
fünf  Fabriken  in  Krefeld  oder  Lyon  belaufen.
Man  wolle  auch  noch  die  folgenden  Momente  im  Auge  behalten.
1.  Die  Periode,  während  welcher  ein  Unternehmer  mit  Verlust  verkaufen
kann,  ohne  sich  zur  Aufgabe  des  Geschäftes  genöthigt  zu  sehen,  kann  eine  längere
oder  eine  kürzere  sein,  sich  auf  Wochen,  Monate,  ja  auf  Jahre  erstrecken.
Es  kommt  eben  alles  auf  die  besondern  Verhältnisse  an.  Je  größer  der  Umfang ­
  des  Unternehmens  ist,  je  mehr  Aussicht  besteht,  daß  es  gelingen  werde,
durch  vorübergehenden  billigen  Verkauf  für  die  Zukunft  eine  gefährliche  Coucurrenz
  fernzuhalten,  desto  länger  kann  mit  Verlust  gearbeitet  werden.
2.  Wenn  jemand  verschiedenartige  Güter  verkauft,  muß  allerdings  der
gesamte  Ertrag  des  Geschäftsbetriebes  auf  die  Dauer  die  dem  Verkäufer  erwachsenden ­
  Kosten  decken,  dagegen  ist  es  nicht  nothwendig,  daß  der  Preis
eines  jeden  einzelnen  Artikels  die  durch  dessen  Herstellung  oder  Herbeischaffung ­
  verursachten  Kosten  hereinbringe.  Wenn  indessen  die  Kosten  den
Verkaufspreis  dauernd  überschreiten  und  keine  Aussicht  vorhanden  ist,  daß
sich  der  letztere  bald  Vortheilhaft  gestalten  werde,  so  wird  der  Unternehmer
darauf  bedacht  sein,  die  Production  des  betreffenden  Artikels  einzuschränken
oder  einzustellen,  und  dafür  mehr  von  Gütern  anderer  Art  zu  erzeugen-Doch
  ist  dies  bisweilen  unmöglich,  weil  die  Erzeugung  gewisser  Producte
von  derjenigen  anderer  unzertrennlich  ist.  Es  ist  dies  z.  B.  bezüglich  der
Zucht  resp.  der  Production  von  Schafen  und  Wolle,  Honig  und  Wachs,
Hühnern  und  Eiern,  Weizen  und  Stroh,  Kohlengas  und  Coaks  der  Fall.  Auch
ist  da,  wo  die  Cultur  gewisser  Bodenerzeugnisse  rationell  betrieben  wird,  ein
Fruchtwechsel  nöthig  und  wird  z.  B.  mit  dem  Bau  von  Korn  und  von
Rüben  abgewechselt.  So  kann  es  denn  geschehen,  daß  gewisse  Gegenstände
Jahr  für  Jahr  unter  dem  Betrage  der  Herstellungskosten  verkauft  werden,
und  zwar  nur  aus  dem  Grunde,  weil  sie  erzeugt  werden  müssen,  wenn  ma"
andere,  einträgliche  Güter  produciren  will.  Dies  kann  sowohl  in  den  Fällen,
in  welchen  die  betreffenden  Producte  in  einer  untrennbaren  natürlichen  Verbindung ­
  miteinander  stehen,  als  auch  anderweitig  vorkommen.  Auch  werden
bisweilen  Gegenstände  nur  aus  dem  Grunde  unter  ihrem  Werthe  verkauf,
weil  das  Publikum  dadurch  auf  andere  Waren  aufmerksam  gemacht  un
zu  ihrem  Kaufe  angereizt  wird.  Ferner  ereignet  es  sich  bisweilen,  daß
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.