Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

208 Zwölftes Buch. Erstes LKapitel. 
noch im 14. Jahrhundert vielfach bestehen blieb und die Elbe 
auf den nächsten 12 bis 15 Meilen oberhalb Hamburgs immer 
noch neun Zollstätten aufwies!. Vor allem wurde es möglich, 
teilweis im Zusammenhang mit den königlichen Landfriedens— 
bestrebungen, die Freiheit des Geleites immer mehr zu sichern 
und in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts große Gebiete 
besserer und ziemlich solider Währung zu begründen, darunter 
im Jahre 1386 den Münzverein der vier rheinischen Kurfürsten 
mit dem rheinischen Gulden als erster weithin gangbarer Gold⸗ 
münze. Gegen Schluß des 14. Jahrhunderts und später haben 
dann Münz⸗ und Geleitsvereine ganz allgemein der Versöhnung 
städtischer und territorialer Interessen in ähnlicher Weise etwa 
gedient, wie die Zollvereinigungen des 19. Jahrhunderts der 
politischen Zusammenfassung der Einzelstaaten unter preußischer 
Führung. 
Das alles war um so wichtiger, als um diese Zeit die 
lokale Territorialpolitik hinwegzufallen begann, die von den 
Großstädten des 14. Jahrhunderts zum Teil weit hinein in 
ihre ländlichen Umgebungen betrieben worden war. 
Von vornherein mußte ja der ursprünglich personale, 
genossenschaftliche Charakter des Stadtkörpers, der grundsätzlich 
kein räumlich geschlossenes Gebiet kannte, fortwährend intime 
Beziehungen über das Weichbild der Stadt hinaus veranlassen. 
Diese Beziehungen wurden am frühesten mit getragen durch die 
sogenannten Ausbürger, Bürger, welche, obwohl voll in der 
Stadtgemeinde berechtigt und in ihr zunächst heimisch, doch 
längere Zeit außerhalb der Mauern zubrachten. Zu ihnen ge⸗ 
hörten im 13. Jahrhundert viele Mitglieder der Geschlechter, 
denen das Ausbürgertum gestattete, außerhalb der Stadt Land— 
güter zu kaufen und zu bewirtschaften, und die dabei oft dem 
ländlichen Adel verwandtschaftlich nahe traten und dessen In— 
teressen dem Landesherrn ab und der Heimatsstadt zuwandten. 
Im Gegensatz zu diesen Ausbürgern besaß wiederum ein 
großer Prozentsatz des ländlichen Adels, Fürsten und Abte wie 
1 Schäfer, Die Hansestädte und König Waldemar (1879), S. 202
	        
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