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II. Buch. Der Güteraustausch.
sprechenden Benennung bemessen, weil sie laut gesetzlicher Bestimmung zu dem
durch die Prägung auf ihnen ausgedrückten Werthe angenommen werden
muffen. So enthalten die silbernen Markstücke und die österreichischen silbernen
Kronenstücke in Wirklichkeit nicht soviel Silber, daß deffen Werth einem
Zwanzigstel des Goldwerthes eines Zwanzigmark- oder -kronenstücks gleichkäme,
lind dennoch gelten sie im Verkehre geradesoviel, als wenn sie wirklich eine
solche Menge Silber enthielten.
Ja die Mark- und die Kronenstücke würden dieselbe Kaufkraft, welche !"
in der That besitzen, auch dann haben, wenn sie noch weniger Silber enthielten,
ja sogar, wenn sie aus Papier verfertigt wären. Ihr Werth hängt eben nicht von
ihrem Metallgehalt, sondern von dem Umstande ab, daß sie Werthzeichen ft"
und jeden Augenblick gegen vollwerthiges Geld eingewechselt werden können-
Was von den Silbermünzen gilt, das gilt in noch höherem Grade von den
jenigen aus Bronze, Nickel u. s. w. Der wirkliche Werth der letzter» entspricht
noch weniger dem ihnen beigelegten Tauschwerth als derjenige der erster».
Man mußte zur Prägung von Scheidemünzen schreiten, um auch ga"^
geringfügige Zahlungen zu ermöglichen. Eine aus Gold verfertigte Mar
wäre für den Gebrauch viel zu klein, ja sogar allzu kleine Silbermünze"'
wie die frühern bayrischen Dreikreuzerstücke und die deutschen Zwanzigpfennig'
stücke, waren dein praktischen Bedürfniß nicht entsprechend. Würde hinget
Kupfer auch zur Prägung vollwichtiger Münzen von größerem Betrage ver
wendet und irgendwo eine Kupferwährung eingeführt werden, so müßte ma"
sich zur Leistung größerer Zahlungen eines Fuhrwerks bedienen, oder m^
würde gewiß zu einem andern stellvertretenden Umlaufsmittel greifen
seine Zuflucht zu papiernen Münzzeichen oder zu einer für diesen Zweck
eigneten Art von Gütern, z. B. Silber, nehmen, wobei sich dann die vo
diesen Gütern zu zahlenden Betrage nach dem für diese Gegenstände M' ^
treffenden Zeit geltenden Marktpreise richten müßten. Das alles war ^
vor kurzer» in China der Fall, wo nur Kupfer- und Zinkmünzen gepr"^
wurden. Dort bediente man sich und bedient man sich auch jetzt noch, nach*"
der vor kurzem vom Bicekönig von Kailton unternommene Versuch, die Silb^
Prägung in seiner Provinz einzuführen, fehlgeschlagen ist, zum Behufe großes
Zahlungen entweder der Banknoten oder der Silberbarren, welche von priva
Bankunternehmungen emittirt nnd mit einer entsprechenden Werthbezeichnung l *
sehen werden. Das wechselseitige Werthverhältniß zwischen diesen Silberbarren "
der Scheidemünze wird in jeder Provinz von den Mandarinen festgesetzt. *
großen Geschäfte werden mittelst eines hoch entwickelten Banksystems erledig
' CI. Jannet 1. c. 593, wo sich noch weitere interessante Angaben über die ch'"
fischen Geldverhältnisse finden.