Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II. Buch. Der Güteraustausch. 
Consequenzen der Krisen zu mildern und unbegründeten Falliments vorzu 
beugen. So einigten sich gelegentlich der großen amerikanischen Handels 
krisis vom Jahre 1873 die zur Association der New Yorker Banken gehörige 
Geldinstitute dahin, ihre gegenseitigen Zahlungen einander nicht in Barem, 
sondern in Creditpapieren verschiedener Art zu leisten und große, ihnen p* 
sentirte Checks nicht ohne weiteres in Geld auszuzahlen, sondern die solidari^ 
Verpflichtung zu übernehmen, daß dieselben später in Barem beglichen werde 
würden. Diese Veranstaltung war von bestem Erfolge begleitet 
Die Krisen haben natürlich ein Darniederliegen der Production und ^ 
Handels zur Folge, welches längere oder kürzere Zeit andauert und zu ewe 
Zustande verhältnißmäßiger wirtschaftlicher Armut und bedauerlicher Vertraue^ 
losigkeit führt, der übrigens auch eintreten kann, wenn Ueberproduction, u ' 
mäßiger Aufwand oder andere nachtheilige Einflüsse von großer Ausdehnung 
vorausgegangen sind, ohne gerade eine Krisis im Gefolge gehabt zu hu e 
Es war dies z. B. in England in den dem Jahre 1887 vorausgegangen 
Jahren der Fall. 
1 Man darf nicht glauben, daß die Speculation durch die Vermehrung der ^ 
laussmittel eine Krisis hervorruft. Die Anhänger dieser Ansicht behaupten, _ 
dieser letztere Umstand eine allgemeine Preissteigerung bewirke. Diese hätte 
eine Zunahme des Imports zur Folge, welche üble Consequenzen nach sich ^ 
bis sich die Umlaufsmittel infolge der Creditentziehung und des Sturzes Doit i, 
institute» wieder vermindern. Diese Thatsache habe dann ein allgemeines i 
der Preise zur Folge, worauf eine Besserung einträte, bis endlich das Gleişş ^ 
wieder hergestellt wäre. Diese irrige Meinung weiß so plausible Gründe s 
geltend zu machen, daß sie viele hoch angesehene Autoren dazu verführt hat, ' ^ 
zustimmen. In Wahrheit ist aber die in Zeiten eines heftigen Speculations ^ 
allerdings eintretende Preissteigerung durchaus keine allgemeine, sondern erstrc 
nur aus die Güter, in welchen Speculationen von großer Ausdehnung vorge>w^^, 
werden. Eine solche Preissteigerung steht keineswegs mit einer Vermehrung des ^ 
Umlaufs in Verbindung. Sie ist vielmehr die Folge der übertriebenen Nachfrage ^ 
gewissen Waren und Gütern, welche durch Creditgewährung begünstigt wird. 
ist auch das Sinken der Preise nach Eintritt des Kraches nicht auf Rechnung 
Verminderung des Betrags der Umlaufsmittel zu setzen, sondern dem UmstaN ^ 
zuschreiben, daß die Verkäufer Vorräthe aufgehäuft haben, welche sie entweder gai 
oder nur zu ganz billigen Preisen an den Mann bringen können. Auch ist e 
irrig, zu glauben, daß eine Krisis einen Mangel an Courantgeld nach sich ziehe- ,ft 
Ansicht rührt daher, daß die Schuldner und namentlich auch die großen Banken « ^ 
desselben Zahlung zu leisten verpflichtet sind. In der Wirklichkeit verhält,Mg# 
Sache gerade umgekehrt. So war z. B. während der englischen Krisis im ^>) ^ 
der Goldimport allwöchentlich bedeutend größer als der Export. Selten ist ^ 
Zeiten nicht das Courantgeld, sondern die Gelegenheit, damit Geschäfte zu 
weil nur wenige geneigt sind, Güter einzuhandeln, und sichere Geldkapitals 
nur schwer au finden sind.
	        
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