Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

284

II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

Consequenzen  der  Krisen  zu  mildern  und  unbegründeten  Falliments  vorzubeugen. ­
  So  einigten  sich  gelegentlich  der  großen  amerikanischen  Handels
krisis  vom  Jahre  1873  die  zur  Association  der  New  Yorker  Banken  gehörige
Geldinstitute  dahin,  ihre  gegenseitigen  Zahlungen  einander  nicht  in  Barem,
sondern  in  Creditpapieren  verschiedener  Art  zu  leisten  und  große,  ihnen  p*
sentirte  Checks  nicht  ohne  weiteres  in  Geld  auszuzahlen,  sondern  die  solidari^
Verpflichtung  zu  übernehmen,  daß  dieselben  später  in  Barem  beglichen  werde
würden.  Diese  Veranstaltung  war  von  bestem  Erfolge  begleitet
Die  Krisen  haben  natürlich  ein  Darniederliegen  der  Production  und  ^
Handels  zur  Folge,  welches  längere  oder  kürzere  Zeit  andauert  und  zu  ewe
Zustande  verhältnißmäßiger  wirtschaftlicher  Armut  und  bedauerlicher  Vertraue^
losigkeit  führt,  der  übrigens  auch  eintreten  kann,  wenn  Ueberproduction,  u  '
mäßiger  Aufwand  oder  andere  nachtheilige  Einflüsse  von  großer  Ausdehnung
vorausgegangen  sind,  ohne  gerade  eine  Krisis  im  Gefolge  gehabt  zu  hu  e
Es  war  dies  z.  B.  in  England  in  den  dem  Jahre  1887  vorausgegangen
Jahren  der  Fall.

1  Man  darf  nicht  glauben,  daß  die  Speculation  durch  die  Vermehrung  der  ^
laussmittel  eine  Krisis  hervorruft.  Die  Anhänger  dieser  Ansicht  behaupten,  _
dieser  letztere  Umstand  eine  allgemeine  Preissteigerung  bewirke.  Diese  hätte
eine  Zunahme  des  Imports  zur  Folge,  welche  üble  Consequenzen  nach  sich  ^
bis  sich  die  Umlaufsmittel  infolge  der  Creditentziehung  und  des  Sturzes  Doit  i,
institute»  wieder  vermindern.  Diese  Thatsache  habe  dann  ein  allgemeines  i
der  Preise  zur  Folge,  worauf  eine  Besserung  einträte,  bis  endlich  das  Gleişş  ^
wieder  hergestellt  wäre.  Diese  irrige  Meinung  weiß  so  plausible  Gründe  s
geltend  zu  machen,  daß  sie  viele  hoch  angesehene  Autoren  dazu  verführt  hat,  '  ^
zustimmen.  In  Wahrheit  ist  aber  die  in  Zeiten  eines  heftigen  Speculations  ^
allerdings  eintretende  Preissteigerung  durchaus  keine  allgemeine,  sondern  erstrc
nur  aus  die  Güter,  in  welchen  Speculationen  von  großer  Ausdehnung  vorge>w^^,
werden.  Eine  solche  Preissteigerung  steht  keineswegs  mit  einer  Vermehrung  des  ^
Umlaufs  in  Verbindung.  Sie  ist  vielmehr  die  Folge  der  übertriebenen  Nachfrage  ^
gewissen  Waren  und  Gütern,  welche  durch  Creditgewährung  begünstigt  wird.
ist  auch  das  Sinken  der  Preise  nach  Eintritt  des  Kraches  nicht  auf  Rechnung
Verminderung  des  Betrags  der  Umlaufsmittel  zu  setzen,  sondern  dem  UmstaN  ^
zuschreiben,  daß  die  Verkäufer  Vorräthe  aufgehäuft  haben,  welche  sie  entweder  gai
oder  nur  zu  ganz  billigen  Preisen  an  den  Mann  bringen  können.  Auch  ist  e
irrig,  zu  glauben,  daß  eine  Krisis  einen  Mangel  an  Courantgeld  nach  sich  ziehe-  ,ft
Ansicht  rührt  daher,  daß  die  Schuldner  und  namentlich  auch  die  großen  Banken  «  ^
desselben  Zahlung  zu  leisten  verpflichtet  sind.  In  der  Wirklichkeit  verhält,Mg#
Sache  gerade  umgekehrt.  So  war  z.  B.  während  der  englischen  Krisis  im  ^>)  ^
der  Goldimport  allwöchentlich  bedeutend  größer  als  der  Export.  Selten  ist  ^
Zeiten  nicht  das  Courantgeld,  sondern  die  Gelegenheit,  damit  Geschäfte  zu
weil  nur  wenige  geneigt  sind,  Güter  einzuhandeln,  und  sichere  Geldkapitals
nur  schwer  au  finden  sind.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.