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Ili. Buch. Die Verkeilung der Güter.
Verhältnissen der einzelnen Länder verschieden sein muß und von denen nn
10. Kapitel dieses III. Buches gehandelt werden wird — und zwar Schutzgese^
die indirect auch dahin wirken, daß nicht ein Uebermaß proletarisirter Arbel -
fräste auf den Markt geworfen werde —, das Eintreten der sich immer kräftigt
organisirenden Arbeiterschaft für ihre Interessen einerseits und ein ruhige,
festes, von Wohlwollen geleitetes Verhalten der Unternehmer andererseits z
einer im ganzen gerechten Gestaltung der Lohnverhältnisse führen, und wen
man sich die Pflege des christlichen Geistes und ernster Moralität angelegt^
sein läßt, auch der Propaganda der socialistischen Ideen Schranken sķ
werde. Davon kann freilich nicht die Rede sein, daß die Arbeiter außer
nach der ortsüblichen Lebenshaltung zu bemessenden, einen auskömmliche^
Unterhalt und ein gewisses Wohlbehagen sichernden Lohn, der es ihnen ^
dem, wenn nicht anderweitig dafür gesorgt ist, möglich machen muß, für 4
alten Tage etwas zurückzulegen*, auch noch Anspruch auf einen Antheil an
Gewinne des Unternehmens, in dem sie beschäftigt sind, besitzen.
' Dagegen kann man das Begehren nicht gerechtfertigt finden, daß der Lohn
jeden erwachsenen Arbeiters reifern Alters groß genug sein müsse, um ihm auch
Gründung und die standesgemäße Unterhaltung einer Familie zu ermöglichen, wie
neuester Zeit auch von gewissen Seiten, die nicht vollständig socialistisch sind, deansp^^
und als eine Forderung der Gerechtigkeit hingestellt worden ist. Eine derartige
rung ist deshalb unbegründet, weil niemand das Recht hat, sich unter allen U'"sa^
zu verehelichen. In den christlichsten Zeiten des Mittelalters ist von einem solche» ^
niemals die Rede gewesen, und hat sich das zahlreiche Gesinde in den # errC i!j cn ļlf
und die bewaffnete Gefolgschaft der Feudalherren, soweit sie aus ständig im
derselben stehenden Knappen bestand, einige Ausnahmen abgerechnet, ebensowenig^ ^
ehelichen können als die Menge der Dienstboten des Clerus und der reichen sl ^
den großen Handelsstädten und als ein großer Theil der Handwerksleute, nämsi ^
zahlreichen Gesellen, welchen der in so vielen Städten und namentlich in Deu s
fast überall bestehende Zunftzwang mit seiner starken Erschwerung des Selbs û ¿
Werdens die Möglichkeit der Verehelichung vielfach gänzlich benahm. Wer sich "" gşif
berufen fühlt, zu heiraten, und wer nicht fähig zu sein meint, die standesg^^^
Keuschheit, zu deren Beobachtung das Christenthum und insbesondere die ka y ^
Kirche so starke Hilfsmittel bietet, zu bewahren, der muß sich eben einem bc r
wenden, der ihm das Heiraten gestattet, und wird auch bei der Leichtigkeit, ^
man in unserer Zeit von einem Erwerb zu einem andern übergehen kann, einen jU
meist nicht allzuschwer finden, wenn er die Selbstbeherrschung besitzt, eine
warten. Ein großer Theil der Produktionszweige zahlt derartige Löhne, daß d»,
beschäftigten Arbeiter eine Familie erhalten können, und muß das thun, se
andernfalls die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte gewaltig abnehmen würde
die Löhne maßlos in die Höhe gehen müßten. Für die Katholiken ist die Frage » ^
entschieden. Infolge einer von katholischer Seite ausgehenden, auf eine ge
ben Wortlaut der berühmten Encyklika Kerum novarum verstoßende Ausleg'
stützten Definition des Begriffs des gerechten Lohnes wandte sich ein belgisch" ^ her
an den Heiligen Stuhl und legte ihm die Frage vor: .Sündigt der Untcrneh