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III. Buch. Die Verkeilung der Güter.
gesunden corporative» Lebens, dieser wesentlichen Bedingung socialer Wohl
fahrt, in dem Gemeingeist und in der Vorliebe für freie und unermüdliche
Selbsthilfe der betreffenden Bevölkerungskreise beruht. Judes haben auch die
Zwangsinnungen des Mittelalters sowohl als der folgenden Zeiten aus diesen
Charaktereigenschaften ihre wahre Lebenskraft geschöpft und mittelst derselben die
Schwierigkeiten und Schwächen einer derartigen obligatorischen Organisation
zu überwinden gewußt. Diese Schwächen vermochten sich in ihrer ganzen
Schärfe so lange nicht geltend zu machen, als der Gemeingeist lebendig blieb
und die Thatkraft vorhielt.
Nichtsdestoweniger sind diese mit dem obligatorischen Charakter der Ge
nossenschaften verbundenen Uebelstände, welche unter Umständen zu großen
Mängeln ausarten können, ernster Beachtung werth. Es laffen sich deren
verschiedene unterscheiden: 1. war der Aufschub der Verehelichung bis zu dem
oftmals späten Zeitpunkte, wo der Betreffende Meister wurde, der Sittlichkeit
und einer normalen Zunahme der Bevölkerungszahl abträglich; 2. kam es,
und zwar namentlich da, wo die religiösen Gesinnungen abgeschwächt und die
Sitten roh geworden waren, nur zu oft vor, daß sich die Meister den Lehrlingen
gegenüber nicht wie Väter, sondern wie Tyrannen benahmen; 3. ergaben sich
Schwierigkeiten hinsichtlich der Gegenstände, welche die Meister einer jeden
einzelnen Zunft verfertigen und verkaufen durften. Diese Schwierigkeiten
waren in Zeiten, in welchen Aenderungen in der gewerblichen Technik nicht
häufig vorkamen, ohne große Bedeutung. Mit den Fortschritten der letzter»
wurde dem aber anders. Es ging nunmehr durch die Zänkereien zwischen der
verschiedenen Zünften viel Geld und Zeit verloren. 4. führte die Zunftverfaffung
allmählich dahin, daß verhältnißmäßig wenigen Meistern ein Monopol ein
geräumt wurde, welches Vertheuerung der Preise und eine Störung des socialen
Friedens zur Folge hatte. Sehr oft konnte einer nur gegen Zahlung drückender
Gebühren Lehrling und gegen Entrichtung noch größerer Beträge Meister
werden. So bildete sich der Zustand aus, daß eine beschränkte Anzahl wohl
habender Meister eine bedeutende Anzahl Gesellen beschäftigte, von denen viele
keine Aussicht besaßen, je selbständig zu werden. 5. entwickelte sich infolge des
Mangels einer gesunden Concurren; ein Geist der Routine, der zu Feind
seligkeiten gegen den Fortschritt und zu lästigen Vorschriften hinsichtlich der
Productionsmethoden führte. So konnte es geschehen, daß ein System, welches
ursprünglich der technischen Entwicklung so zuträglich war, für nützliche Ver
besserungen zum Hemmschuh wurde.
Trotz alledem war die Abschaffung des Jnnungswesens, wie sie der wirt
schaftliche Liberalismus zu Ende des vorigen und in unserem Jahrhundert
zuwege brachte, eine unheilvolle Maßregel, wenigstens für die kleinen Ge-
werbsleute. Man hätte die Zünfte reformiren sollen, anstatt dieselben direct