Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

5.  Kap.  Aufgabe  und  Methode  der  politischen  Oekonomik.

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seits  alle  technischen  Details,  das  der  Naturwissenschaft  und  der  Psychologie
zu  entnehmende  Material,  die  Beispiele  aus  der  Geschichte  und  der  Statistik  und
die  Wahrscheinlichkeiten,  daß  die  Menschen  in  gewiffer  Hinsicht  gewisse  Handlungsweisen
  beobachten  werden,  unter  dem  Namen  der  politischen  Oekonomie
zusammenfaßte  und  dann  andererseits  alle  ethischen  Beziehungen,  alles  was  zu
empfehlen  lind  für  recht  zu  erklären,  und  alles  was  zu  tadeln  und  zu  verwerfen ­
  ist,  in  ein  besonderes  System  zusammenstellte  und  mit  einem  andern
Namen  bezeichnete.  Das  wäre  allerdings  möglich,  müßte  sich  aber  als  sehr
unpraktisch  erweisen,  indem  man  auf  diese  Weise  die  Schlußfolgerungen  von
ihren  Prämissen  trennen  würde.  Man  müßte  ja,  wenn  man  diesen  Weg
einschlüge,  gerade  in  dem  Augenblick  abbrechen,  in  welchem  das  gesamte  zur
richtigen  Beurtheilung  unerläßliche  Material  gesammelt  wäre.
Und  so  bleiben  denn  auch  die,  welche  eine  derartige  Trennung  befürworten ­
  und  sich  vorgeblich  nur  mit  dem  thatsächlich  Vorhandenen  beschäftigen,
diesem  ihrem  Borsatze  nicht  treu.  Auch  sie  begeben  sich  immer  wieder  auf
das  ethische  Gebiet.  Das  begegnet  sowohl  Senior  und  Mill  als  Roscher  und
Walker.  So  schlagen  diese  Schriftsteller,  wenn  auch  nur  widerwillig,  den
richtigen  Weg  ein;  denn  es  ist  nun  einmal  eine  unläugbare  Thatsache:  wenn
Man  die  Erwägungen  und  Urtheile  ethischer  Natur  mit  den  Beobachtungen
"nd  Erfahrungen  hinsichtlich  der  wirklichen  Erscheinungen  verwebt,  so  gibt
"wn  weniger  leicht  irrige  Theorien  für  Wahrheiten  aus.
Ja  schon  die  unter  den  unzählbaren  uns  umgebenden  Thatsachen  zu
treffende  Auswahl  derjenigen,  welche  wir  beobachten  wollen,  hängt  von  den  in
das  Gebiet  der  allgemeinen  Ethik  fallenden  leitenden  Principien  ab.  Bloße
Thatsachen  an  sich  sind  ohne  Werth;  es  kommt  eben  darauf  an,  daß  es  paffende,
einschlägige  Thatsachen  sind.  Um  aber  beurtheilen  zu  können,  welche  Thatsachen ­
  diese  Natur  besitzen,  brauchen  wir  einen  Leitfaden,  der  uns  durch  das
Labyrinth  der  Erscheinungen  führt,  und  könnte  es  da  nun  einen  bessern  geben
als  eine  gesunde  Philosophie?  So  wird  man  denn  ohne  eine  gründliche  Aust'ildung
  in  der  Ethik  den  richtigen  Weg  nicht  finden  können.
Zweifellos  haben  ja  die  Anhänger  der  historischen  Schule  in  vielen  Begehungen ­
  vollkommen  recht.  Sie  haben  recht,  wenn  sie  neu  ausgedachte,  der
Wahrheit  nicht  entsprechende  Lohn-,  Bevölkerungs-,  Gewinn-  u.  s.  w.  Gesetze
"erwerfen.  Sie  haben  ferner  auch  darin  recht,  daß  sie,  wie  es  einst  der
ļll.  Augustinus  that,  gegen  gewisse  engherzige  Auffassungen,  welche  die  Gewohnheiten ­
  und  Institutionen  der  gesamten  Menschheit  nach  denjenigen  unserer
Zeit  beurtheilen,  Einspruch  erheben.  Es  gereicht  ihnen  zum  Ruhme,  daß  sie
Beobachtung  des  wirklichen  Lebens  zurückkehrten  und  den  folgenden  zwei
Worten  des  großen  Aristoteles  die  Ehre  gaben:  ,Wenn  man  betreffs  der  sittļ'chen
  Handlungen  die  Wahrheit  erkennen  will,  muß  man  vor  allem  beobachten,
            
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