Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

6. Kap. Die Geschichte der ökonomischen Wissenschaft. 
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sämtlich als Resultate des Kampfes ums Dasein erscheinen 1 . Im übrigen 
steht Schäffle hinsichtlich der Behandlung der wirtschaftlich-socialen Fragen 
des Tages den Kathedersocialisten sehr nahe und ist also Anhänger einer 
weitgehenden Staatsintervention. So befürwortet er z. B. in dem eben 
erwähnten Werke bei Gelegenheit der Entwicklung seines agrarpolitischen 
Programms die Schaffung obligatorischer Verbände sämtlicher bäuerlichen Be 
sitzer, welche den Hypothekarcredit zu vermitteln und Pfandbriefe zu emittiren 
haben würden. Von den übrigen stark socialistischen Anwandlungen, die 
ihm früher nicht fremd waren 2 , hat er sich später mehr und mehr frei 
gemacht 3 . 
Bon einer wahrhaft unerschütterlich festen Grundlage geht endlich die 
auf dem Boden des christlichen Sittengesetzes stehende Schule 
aus. Mit dem Widerauflcben oder vielmehr mit dem Fortschreiten der sich 
in den gebildeten Kreisen der christlichen Nationen vollziehenden Ausbreitung 
positiven Glaubens und ernster ethischer Principien wurde auch der Volks 
wirtschaftslehre wieder eine von religiösen Gesichtspunkten ausgehende wiffen- 
schaftliche Behandlung zu theil. So haben sich denn, je nachdem die be 
treffenden Gelehrten Katholiken oder Protestanten waren, verschiedene Gruppen, 
ja man kann sagen, verschiedene Schulen gebildet, und selbst innerhalb des 
katholischen bezw. des ernstlich christlich gesinnten protestantischen Lagers sind nicht 
nur mit Rücksicht auf die Verhältnisse der Länder, welchen die verschiedenen 
Autoren angehören, sondern auch infolge einer verschiedenen principiellen Be 
urtheilung der einschlägigen Fragen erhebliche Meinungsverschiedenheiten zu 
Tage getreten. Das kann selbstverständlich kein Staunen erregen. Tie volks 
wirtschaftlichen und socialen Zustände, die zu lösenden Probleme lasten sich 
in ziemlich weitem Umfange so verschieden beurtheilen, daß es nicht anders 
geschehen kann, als daß die Gelehrten, je nach ihrer individuellen Veranlagung 
und je nach den Verhältnissen, aus denen sic hervorgegangen sind und unter 
welchen sie sich entwickelt haben, der eine zu diesen, der andere zu jenen 
Schlüssen gelangen. Auch diejenigen, die vollständig auf dem Boden der 
katholischen Glaubens- und Sittenlehre stehen, können der wirtschaftlichen Frei 
heit bis zu einem gewissen Grade das Wort reden. Der mehr individualistisch 
veranlagte Mensch wird, da es nun einmal nicht gelungen ist und auch nicht 
Klingen konnte, die Gesamtheit der früher bestandenen wirtschaftlichen Zu- 
1 Diese Theorie findet sich in seinem Werke .Teutsche Kern- und Zeitfragew 
Berlin 1894) entwickelt. 
2 Siehe Die Quintessenz des Socialismus. 8. Aufl. Gotha 1885; Bau und 
^kden des socialen Körpers. 4 Bde., 2. Aufl. Berlin 1882. 
* Die Aussichtslosigkeit der Socialdemokratie. Berlin 1885.
	        
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